Es ist noch gar nicht lange her, als der hochrangige ägyptische Gelehrte Safwat Hegazy vor den ägyptischen Wahlen den Muslimen versprach: „Nicht Kairo, Mekka oder Medina, sondern Jerusalem soll mit Allahs Hilfe unsere Hauptstadt werden. Unter Mursi werden die arabischen Nationen wieder eine Macht mit Jerusalem im Mittelpunkt. […] Die Vereinigten Staaten der Araber werden in den Händen dieses Mannes und seiner Anhänger wieder hergestellt werden. Die Hauptstadt des Kalifats wird mit Gottes Willen Jerusalem sein“.
Es ist noch gar nicht lange her, als der hochrangige ägyptische Gelehrte Safwat Hegazy vor den ägyptischen Wahlen den Muslimen versprach: „Nicht Kairo, Mekka oder Medina, sondern Jerusalem soll mit Allahs Hilfe unsere Hauptstadt werden. Unter Mursi werden die arabischen Nationen wieder eine Macht mit Jerusalem im Mittelpunkt. […] Die Vereinigten Staaten der Araber werden in den Händen dieses Mannes und seiner Anhänger wieder hergestellt werden. Die Hauptstadt des Kalifats wird mit Gottes Willen Jerusalem sein“.
Viele Muslime hielten Mohammed Mursi, welcher am 30. Juni 2012 sein Amt als erster ziviler Präsident der ägyptischen Republik antrat, für den zukünftigen Führer des Islam, denn seine Vergangenheit als Aktivist der Muslimbrüder verleitete die Menschen in eine trügerische Hoffnung. Gegenwärtig sind jedoch weder eine Politik sichtbar, die zu einer Reimplementierung der islamischen Lebensordnung führt noch eine anti-westliche Haltung, die von seinen Anhängern allen Muslimen zugesichert wurde. Ganz im Gegenteil: Die bisherigen Beobachtungen verdeutlichen, dass Mursi gegen einen islamischen Staat und für eine Annäherung an den Westen arbeitet. Bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, bekennt er sich zur Demokratie und verehrt den Westen für seine Unterstützung. So lobte er in einem Interview mit der New York Times US-Präsident Barack Obama für seine „entschiedene und schnelle“ Unterstützung der Proteste im Arabischen Frühling. Die USA seien für das Recht der Araber eingetreten, die „selbe Freiheit zu genießen wie die Amerikaner“. Auch unterstrich der ägyptische Präsident die „echte Freundschaft“ der beiden Länder und bekundete seine hohe Loyalität gegenüber der US-Regierung.
Mursi versucht einerseits, gegen die innenpolitischen Herausforderungen anzugehen und andererseits, die ägyptische Außenpolitik voranzutreiben, die ganz im Interesse der Amerikaner erfolgt.
Zu Hause kämpft Mursi gegen die Polarisierung des Volkes. Die unerfüllten Wahlversprechungen und die auf allen politischen Ebenen vorherrschende Inkompetenz bereiten den Nährboden für den nächsten Volksaufstand. Immer wieder erreichen uns Meldungen über Straßenschlachten zwischen Oppositionellen und Anhängern Mursis. Der Staatshaushalt ist total überschuldet, die Subventionen für Benzin, Gas und Brot verschlingen ein Viertel des nationalen Budgets.
Die Mursi-Bande konnte bis dato die heterogene Volksmasse nicht harmonisieren, da sie eine gewisse Standpunktlosigkeit ausstrahlt. Sie beginnt ihre Reden mit dem islamischen Friedensgruß um sie dann mit der Lobpreisung westlicher Werte. zu beenden Einerseits sehen sie das Schicksal der Palästinenser als das dringlichste Problem, doch gleichzeitig besuchen sie die Grabstätte von Anwar al-Sadat, welcher nach der Unterzeichnung des Camp David-Vertrages zum amerikanischen Agenten erklärt wurde. Das Volk erkennt die Ambivalenz und kann somit ihre Auffassung über die Regierung nicht richtig definieren.
Die Kontroverse findet auch in der Neuvergabe der politischen Ämter statt. Obwohl Mursi diese Posten jenen seiner Leute überlässt, die als streng Gläubig gelten, unterscheiden sie sich kaum von ihren Amtsvorgängern unter Mubarak. Um unseren Lesern einen Eindruck von der Strenggläubigkeit der Mursi-Minister zu geben, sei das Beispiel des Informationsministers Salah Abdul-Maqsud genannt. Als dieser zu Beginn eines Fernsehinterviews von der Moderatorin gefragt wird, ob er bereit sei für die Fragen, die sie ihm stellen wolle, antwortet ihr Abdul-Maqsud: „Ich hoffe, die Fragen werden nicht so heiß sein wie du!“ und lacht dabei unverschämt. Trotzdem lassen sich weite Teile der Bevölkerung blenden, wodurch die amerikanische Politik ungestört fortgeführt werden kann. Das größte innenpolitische Manöver war die Auswechslung der ägyptischen Militärführung, welche einen Sturm der Begeisterung auslöste. Zum wiederholten Male füllte sich der Tahrir Platz, wo alles seinen Lauf nahm. Tausende bejubelten die „gewagte Tat“, nicht nur im eigenen Lande, sondern überall in der muslimischen Welt. Die Amtsenthebung ranghoher Militärs sollte ein Zeichen der Stärke Mursis sein. Andere bezeichneten die Pensionierung früherer Militärs als „revolutionär“. Auch Vertreter der Protestbewegung, die im Februar 2011 zum Sturz des damaligen Präsidenten Husni Mubarak geführt hatte, äußerten sich positiv. Die Tageszeitung Al-Watan schrieb von der offiziellen Macht der Muslimbrüder. Und die ägyptische al-Masry al-Youm hierzu: „Mursi greift nach der ganzen Macht“. Viele Betrachter werteten diese Aktion als den Sieg der Muslimbrüder gegenüber dem konservativen Militär. Nach dem türkischen Vorbild sollte die Macht des ägyptischen Militärs dezimiert und somit der langjährige innenpolitische Einfluss der US-Regierung beseitigt werden. Der pensionierte Armeekommandeur und Verteidigungsminister Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi hatte nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak den Obersten Militärrat geleitet, der 17 Monate lang die oberste Autorität in Ägypten war. Unter Mubarak war Tantawi etwa zwanzig Jahre lang Verteidigungsminister. Jedermann war sich der Tatsache bewusst, dass Tantawi und seine Gefolgsleute US-Marionetten waren. Ihre Politik formten sie stets gemäß der amerikanischen Außenpolitik. Folglich wurde die Entmachtung dieser Marionetten als etwas Großartiges aufgefasst. Jedoch muss dieses politische Manöver genauer betrachtet werden.
Zunächst gilt es festzuhalten, dass die Entlassung ranghoher Militärs seitens Mursi entgegen vieler Medienberichte nicht unerwartet stattfand. Sogar das US-Verteidigungsministerium erklärte, dass es gewisse Änderungen im Bereich der Verteidigung erwartet habe. Es ist nicht schwer dahinter zu kommen, dass die Beseitigung des Misstrauens der Menschen gegenüber dem Militär eine der wichtigsten Schritte darstellt, um die innenpolitische Stabilität wieder herzustellen. Denn die ägyptische Bevölkerung erlitt während des Aufstandes gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak einen schweren Vertrauensbruch zum Militär, welches lange Zeit auf Seiten des Regimes gegen die Demonstranten kämpfte.
Weiterhin muss verdeutlicht werden, dass das Mursi-Regime ausschließlich zur Umsetzung von US-Interessen installiert wurde. Mursi war die ideale Alternative zu Mubarak. Er kam mit dem Wohlgefallen der US-Regierung an die Macht und zeigte sich kurze Zeit später durch den Empfang der US-Außenministerin Hillary Clinton äußerst dankbar. Mursi reagierte höchst erfreut auf den Vorschlag Clintons, das Land durch einen demokratischen Wandel zu formen. Anscheinend war Mursi so begeistert von diesem Vorschlag, dass er am 30.08.2012 in Teheran den Syriern diesen Vorschlag weiterempfahl. Außerdem beschworen Clinton und Mursi die Zusammenarbeit ihrer beiden Länder und einigten sich auf eine US-Investition in die ägyptische Wirtschaft.
Die meisten Muslime sind sich nicht im Klaren darüber, dass der Wechsel der Armeeführung und die Änderung der Übergangsverfassung nicht einen Machtverlust des Militärs zur Folge haben, sondern viel eher eine Machtteilungsvereinbarung zwischen der Mursi-Clique und der Militärführung bedeuten. Anscheinend erfolgte die Entlassung der Generäle mit der Erlaubnis des obersten militärischen Führungsgremiums des Landes, dem Hohen Militärrat (SCAF). Denn alle abgesetzten Generäle wurden ehrenhaft und mit Aufzeichnungen in neue Arbeitsbereiche befördert. Der 77-jährige Verteidigungsministers Hussein Muhammad Tantawi und sein 64-Jähriger Generalstabschef Sami Hafez Anan wurden zu Beratern des Präsidenten ernannt. Der 60-jährige Oberbefehlshaber der ägyptischen Luftwaffe Reda Hafez wurde zum Minister für das militärische Produktionswesen und der Oberbefehlshaber der Marine, Moheb Memish, zum Vorsitzenden der Suezkanal-Behörde ernannt. Somit kann von einer Entmachtung bei diesen Begebenheiten absolut nicht die Rede sein. Angesichts der hohen Posten, die sie nun besetzen, handelt es sich vielmehr um eine Beförderung.
An dieser Stelle kann auch nicht eingewendet werden, dass der Wechsel innerhalb der Militärführung die vorhandenen US-Einflüsse beseitigen würde, denn Mursi hat keine überraschenden Änderungen vorgenommen, sondern lediglich das befleckte Image des Militärs mit jüngeren, scheinheiligen Gesichtern aufpoliert. So sagt auch der Experte für ägyptische Wirtschaft Stephan Roll: „Es ist immer noch unbekannt, wie die Vereinbarung zwischen Militär und Muslimbrüdern aussieht, aber es ist deutlich, dass die USA sie unterstützen.“ Es hat im Militär keine fundamentale Veränderung gegeben, und somit ist der amerikanische Einfluss weiterhin vorhanden. Der 57 Jahre alte Nachfolger von Muhammad Tantawi, Abdelfatah Chalil al-Sissi, war vor seiner jetzigen Amtszeit ein enger Vertrauter Tantawis und bekleidete keinen geringeren Posten als den des Militär-Geheimdienstchefs. Medienberichten zufolge trat al-Sissi nur ein einziges Mal in seiner Funktion hervor. Als im März 2011 Militärpolizisten weibliche Demonstranten in den Keller des Ägyptischen Museums verschleppten und dort misshandelten, unterzogen sie die Mädchen einer erniedrigenden Prozedur – dem sogenannten Jungfräulichkeitstest. Es war al-Sissi, der diese Praxis einige Wochen später gegenüber westlichen Medien begründen wollte. Die Mädchen hätten zusammen mit jungen Männern auf dem Tahrir-Platz campiert, und damit sie hinterher nicht behaupten könnten, sie seien von den Militärpolizisten vergewaltigt worden, hätte man eben ihre „Jungfräulichkeit“ überprüft, behauptete er zynisch.
Auffällig ist auch der Name Mohammed al Assars, welcher in einem Interview in Kairo ausdrücklich erklärt hatte, dass Ägypten sich zu allen demokratischen Werten bekenne. Des Weiteren werden al-Assar, der künftig den Verteidigungsminister in Kabinettsangelegenheiten vertreten wird, enge Beziehungen zur US-Administration nachgesagt.
Eine oberflächliche Betrachtung der Begebenheiten führt schnell zu falschen Schlussfolgerungen. Und deshalb erhoffen sich die Muslime einen islamischen Wandel Ägyptens unter der Führung von Mursi. Jedoch wird er, wie sein Vorgänger Mubarak, den amerikanischen Interessen nacheilen.
Mit Hilfe der neuen Militärführung und der USA hat es Mursi geschafft, das Vertrauen der Bevölkerung zum ägyptischen Militär einigermaßen wiederherzustellen. Die Sorge vor einer neuen Eskalation in Ägypten gegen das Militärerbe Mubaraks wurde somit schnell und effektiv unterbunden.
Wir stellen fest, dass sich Mursi stärker auf die Außenpolitik konzentriert als auf die Innenpolitik. Er besucht viele Länder und baut bilaterale Beziehungen auf. Allerdings handelt es sich nicht um eine islamisch-ideologische Außenpolitik, wie manche behaupten. Mohammed Mursi setzt sich nicht für die Probleme aller Muslime ein, so wie es sich für einen islamischen Herrscher gehört, sondern investiert seine Kraft in nationale bzw. regionale Anliegen. Er versucht, gute Beziehungen mit den umliegenden Staaten zu pflegen. Zu diesem Zwecke besuchte er zunächst Äthiopien, Saudi-Arabien, die Türkei und den Iran. Auch kam es zu Annäherungen an die Hamas, was als eine „Islamisierung“ der ägyptischen Außenpolitik interpretiert wurde. Jedoch hat diese Annäherung weder zu einer umfassenden Öffnung der ägyptischen Grenze zum Gazastreifen geführt noch zu einer erkennbaren Verschlechterung der israelisch-ägyptischen Sicherheitskooperation. Vielmehr erfolgte das Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte gegen Muslime auf dem Sinai offenkundig in enger Absprache mit der israelischen Regierung. Auch der Wunsch der Errichtung einer Freihandelszone zwischen Ägypten und Gaza wurde von Mursi blockiert. Ganz im Gegenteil – Mursi verschärfte die Maßnahmen gegen den „illegalen“ Warenverkehr durch unterirdische Tunnel.
Während seiner außenpolitischen Missionen fand Mursi viele trügerische Partner, die der ägyptischen Administration viele Milliarden Dollar zugesagt haben. Vor einigen Monaten unterschrieb die Regierung einen Vertrag über einen 200 Millionen Dollar-Kredit mit der Weltbank. Das Emirat Katar begann mit der Einzahlung einer Einlage bei der ägyptischen Zentralbank in Höhe von insgesamt 2 Milliarden Dollar und kündigte an, dass sie weitere 18 Milliarden Dollar in ägyptische Industrie- und Tourismusprojekte investieren würde. Selbstverständlich versprach auch die USA, den Regierungshaushalt mit zusätzlichen 50 Millionen US-Dollar zu unterstützen. Ebenso stellte die Türkei ein 2 Milliarden Dollar schweres Hilfspaket in Aussicht. Somit entschied sich Mursi für das schnelle Geld und opferte einen weiteren Teil der ägyptischen Einflusssphäre. Denn mit dieser Hilfe haben sich die Geber Einfluss erkauft.
Letzten Endes sind wir uns darüber im Klaren, dass Mursi eine Symbolpolitik betreibt. Faktisch hat sich gegenüber der Mubarak-Ära bisher nur wenig verändert. Durch vereinzelte politische Intrigen verblendet er die Muslime und missbraucht ihre Liebe zum Islam für die Umsetzung westlicher Interessen. Fakt ist, dass die USA es geschafft haben, ihre museumsreife Marionette Mubarak durch den entschlossenen, tatkräftigen Mursi zu ersetzen.
Es sprach der Gesandte Allahs (s.a.s.):
„O Allah! Erbarme Dich demjenigen, der eine Aufgabe dieser Gemeinschaft übernimmt und dieser Erbarmen zeigt! Und wer dieser Gemeinschaft Schwierigkeiten bereitet, so bereite ihm ebenfalls Schwierigkeiten!“ (Muslim)