Freies Feedback

Was können wir auf unserer Webseite noch verbessern?

Allgemein Syriens Chemische Waffen und die Option einer Intervention – Teil 1

Die Schauergeschichten über chemische Waffen in Syrien gehören seit dem Beginn der Aufstände vor über 18 Monaten zum Standardinventar westlicher Medien. Im Juli 2012 wurde verstärkt darüber berichtet, dass Assads Truppen innerhalb Syriens chemische Waffen verlegt hätten und insbesondere die Amerikaner hierüber „besorgt“ seien, da diese Waffen gegen die Rebellen oder gar gegen Zivilisten eingesetzt werden könnten.

Die Schauergeschichten über chemische Waffen in Syrien gehören seit dem Beginn der Aufstände vor über 18 Monaten zum Standardinventar westlicher Medien. Im Juli 2012 wurde verstärkt darüber berichtet, dass Assads Truppen innerhalb Syriens chemische Waffen verlegt hätten und insbesondere die Amerikaner hierüber „besorgt“ seien, da diese Waffen gegen die Rebellen oder gar gegen Zivilisten eingesetzt werden könnten. Am Montag, den 09. Oktober 2012, bestätigte das US-Verteidigungsministerium, dass eine Gruppe amerikanischer Militärstrategen sich mit diesem Thema befasse.
Diese Gruppe, die von Spezialkräften geleitet wird und ca. 150 Mann umfasst, hat seine Kommandozentrale in der jordanischen Hauptstadt Amman eingerichtet, von wo aus sämtliche Aufklärungsmissionen und andere Operationen geleitet werden. „Wir arbeiten seit geraumer Zeit mit Jordanien zusammen…an mehreren Themen, die sich aus dem entwickelt haben, was in Syrien geschehen ist“, teilte US-Verteidigungsminister Panetta auf einer Konferenz in Brüssel mit. Zu diesen Themen gehöre auch die Überwachung chemischer Lagerstätten, „um zu erörtern, wie man am besten auf Bedenken in dieser Region zu reagieren hat“, so Panetta weiter.
Den Amerikanern reicht wohl das Gemetzel Assads in den letzten 18 Monaten nicht aus um einzuschreiten, während die Gefahr durch chemische Waffen oder die eines Bürgerkrieges als mögliche Gründe für eine Intervention diskutiert werden. Die Gefahr eines möglichen Blutbads in der libyschen Stadt Benghazi war als Vorwand für eine militärische Intervention in Lybien ausreichend. Doch das Blutbad, das Tag für Tag in Syrien an der Ummah verübt wird, ist den Amerikanern offensichtlich nicht Grund genug um militärisch einzugreifen und Assad das Handwerk zu legen.


Chemische Waffen


Syrien begann bereits 1973 – noch vor dem Yom Kippur-Krieg – mit der Entwicklung chemischer Waffen. Seit jeher verfügt das Land über ein eigenes Chemiewaffen-Arsenal. Syrien leugnet jedoch den Besitz chemischer Waffen, insbesondere um Unsicherheit bei feindlich gesinnten (Nachbar-)Staaten zu erzeugen. Der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Jihad Makdissi, bestätigte während einer Live-Übertragung im syrischen Staatsfernsehen den Besitz chemischer Waffen: „Der Einsatz dieser Waffen ist ausschließlich für den Fall einer ausländischen Aggression gegen die Arabische Republik Syrien gedacht. Jede Art solcher Waffen wird von der Syrischen Armee überwacht, und die letzte Entscheidung über den Einsatz liegt bei den Generälen.“
Es heißt, dass Syrien chemische Waffen vom Typ Sarin, Tabun, VX und Senfgas produziert. Diese stammen aus Produktionsstätten, die nach Meinung westlicher Experten fünf bis sechs Anlagen umfassen, darunter in Al-Safir, Cerin, Hama, Homs, Latakia und Palmyra.
Schätzungen zufolge beträgt die jährliche Produktion chemischer Kampfstoffe in Syrien wenige hundert Tonnen. Der Grund hierfür ist, dass Syrien weder über sämtliche chemischen Grundstoffe verfügt noch über die technische Ausrüstung und deshalb auf ausländische Importe angewiesen ist. In ihren jährlichen Berichten an den US-Kongress spricht die CIA von den Bestrebungen Syriens, chemische Grundstoffe und technische Ausrüstung aus externen Quellen zu beziehen. Der Vorrat an chemischen Substanzen, die zuvor Internationalen Exportkontrollen unterlagen, seien allem Anschein nach längst aufgebraucht.


Das Endspiel in Syrien


Gegenwärtig sieht es in Syrien danach aus, dass Assads Machtapparat, der zuvor sämtliche Gesellschaftsbereiche kontrollierte, gescheitert ist und den Aufstand nicht mehr wird beenden können – dies, obwohl alle erdenklichen Mittel der Gewalt und Einschüchterung angewandt wurden, um die Massen zum Schweigen zu bringen. Die Lage wurde erst dadurch verkompliziert, dass ausländische Mächte, die jeweils unterschiedliche Interessen verfolgen, sich in Syrien eingemischt haben und versuchen, die Geschicke in ihre Richtung zu lenken. Mehrere aufeinander folgende Versuche seitens des Westens, den Ruf der Menschen in Syrien nach Veränderung hinters Licht zu führen, sind kläglich gescheitert. Was wir gegenwärtig erleben, ist im Endeffekt der Konflikt zwischen den sunnitischen Muslimen Syriens und den USA um die Herrschaft des Landes nach Assad.
In diese hoffnungsvolle Situation konnte die Ummah erst dadurch gelangen, dass sie all ihre Angst, die sie vor dem Assad-Regime und seinen brutalen Methoden hatte, abgelegt und ihre Forderung nach der Herrschaft des Islam zu einer Schicksalsfrage erhoben hat.
Allah ändert den Zustand eines Volkes nicht, ehe sie ändern, was in ihnen ist. (Sura 13, Aya 11)
Dieser gesegnete Aufstand der Ummah in Syrien dauert seit nunmehr über einem Jahr an. Der islamische Widerstand hat sich die vollständige Vernichtung des Assad-Regimes zum Ziel gesetzt und ihre Koordinierung und Einsatztaktik seit dem Beginn des Aufstandes fortlaufend verbessert. Die Erfahrungen und die Unterstützung desertierender Soldaten kommen unterstützend hinzu. Ebenso ist der Zustrom von Kämpfern aus anderen Ländern eine Hilfe. Unter ihnen befinden sich auch welche mit Erfahrung aus dem Irak im Kampf gegen US-Soldaten. Deren Kenntnisse im Bau selbstgefertigter Sprengsätze (sogenannte Improved Explosive Devices, kurz IED’s) hat maßgeblich dazu beigetragen, den Truppen Assads schmerzhafte Verluste zu bereiten. Die hohe Zahl an zerstörten Kampfpanzern und anderer gepanzerter Fahrzeuge der syrischen Armee sind ein Beleg für das Potential und den Todesmut der Ummah.
Und genau deshalb hat die Syrische Armee den Einsatz von Panzerfahrzeugen in Gegenden, in denen die Rebellen die Kontrolle haben, verringert. Das Regime setzt zunehmend auf Angriffe aus der Luft, die durch Artillerie und Kampfhubschrauber unterstützt werden. Der bewaffnete Widerstand jedoch hat den Vorteil, dass er überaus mobil ist und einerseits so das Regime dazu zwingt, an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen und andererseits Hinterhalte wirkungsvoll und kurzfristig ausführen kann.
Da der Widerstand über keine konventionelle Kommandostruktur verfügt wie man es von einer regulären Armee gewohnt ist, fällt es sowohl dem Westen als auch Assads Leuten sehr schwer, die Führung des Widerstandes zu infiltrieren. Aufgrund der hohen Zahl an Überläufern ist Assad dazu gezwungen, sich fast ausschließlich auf die Republikanische Garde, die 4. Gepanzerte Division und die Shabiha – ein Haufen wilder Mörder, Folterer und Vergewaltiger – zu verlassen. Hierdurch verbleibt der Großteil der Armee, der aus Sunniten besteht, in den Kasernen. Dies hat dazu geführt, dass Assad den Großteil der ländlichen Gebiete verloren hat und den Einsatz seiner Streitkräfte nun auf die Schlacht um Damaskus und Aleppo konzentriert.
Der Mangel an schweren Waffen ist das einzige Hindernis, das den Widerstand davon abhält, einen Großangriff auf Damaskus und die Wirtschaftsmetropole Aleppo zu starten. Amerika, England, Frankreich, die Türkei, Qatar, Saudi Arabien und Ägypten – allesamt versuchen sie, die oppositionellen Kräfte mit der Lieferung schwerer Waffen zu ködern, um so ihre Loyalität zu kaufen. Der Grund, weshalb man dem Widerstand bislang diese benötigten Waffen nicht hat zukommen lassen, ist die Tatsache, dass sie den Köder – Al-hamdu-lillah – nicht geschluckt haben.