Die Interessen der USA in Syrien konzentrieren sich hauptsächlich auf den geostrategischen Aspekt, der für die Vormachtstellung in der Region von größter Wichtigkeit ist.
Die Interessen der USA in Syrien konzentrieren sich hauptsächlich auf den geostrategischen Aspekt, der für die Vormachtstellung in der Region von größter Wichtigkeit ist. Da Syrien praktisch den Mittelpunkt der arabischen Welt darstellt, kann man von dort aus Einfluss auf sämtliche arabische Länder ausüben. Seit Beginn der Revolutionen – insbesondere in Syrien – schwindet die Macht Amerikas in der Region von Tag zu Tag. Um zu retten, was noch zu retten ist, bedarf es politischer Ränke, welche die Revolution zu ihren Gunsten zu lenken. Vor diesem Hintergrund sind die Muslime dazu angehalten, die politischen Machenschaften der Amerikaner und ihrer Knechte in den muslimischen Ländern zu durchschauen um diese gesegnete Revolution bloß nicht aus den Händen zu verlieren.
Dem aufmerksamen Betrachter wird deutlich, dass die USA ihre Haltung im Laufe der Revolution mehrfach mittels politischer Strategien gewechselt haben. Zu Beginn des Aufstands in Syrien beschränkte sich die amerikanische Strategie auf das bewusste „Distanzieren“. Man verschloss ganz einfach die Augen vor den Verbrechen Assads und seiner Schergen und schwieg die Sache tot. Hierdurch wollte man dem barbarischen Assad-Regime Zeit gewähren, um skrupellos weiter zu morden und zu massakrieren und so den Willen des Volkes zu brechen. Die USA hegten keinen Zweifel daran, dass das syrische Regime imstande sei, das eigene Volk zu Grunde zu richten. Deshalb gaben sie der syrischen Regierung politische Rückendeckung mittels des arabischen Gipfels und später durch die UN-Resolutionen, die einen vermeintlichen Friedensprozess einleiten sollten. Assad erhielt weitere kostbare Zeit für sein bestialisches Gemetzel an den Muslimen. Hierbei fuhr Assad auf Geheiß Amerikas eine besonders perfide Taktik, das „smart killing“, bei dem täglich nicht mehr als ca. fünfzig Menschen ermordet wurden. Diese „niedrige“ Opferzahl sollte den Zorn der Weltbevölkerung über das Schweigen des Westens zu den Verbrechen in Syrien im Zaum halten.
Doch die Standhaftigkeit und Entschlossenheit der Muslime Syriens besiegelte das Schicksal dieser Strategie. Eine neue Vorgehensweise musste gefunden werden. Es folgte ein Plan, die man gemeinhin als „jyemenitischen Ansatz“ bezeichnen kann. Dieser sollte einen politischen Übergang wie im Falle Jemens einläuten. Die US-Administration versuchte, zunächst durch die Arabische Liga und später durch den UN-Sondergesandten Kofi Annan, einen politischen Übergang zu forcieren, bei dem Bashar al-Assad augenscheinlich abgetreten und ins Exil ausgewandert wäre. Hiernach hätte eine oppositionelle Übergangsregierung mit dem Vizepräsidenten Farouq al-Shar’a an der Spitze die Macht übernommen. Deren Mitglieder bestünden hauptsächlich aus Vertretern des alten Regimes und einigen wenigen ausgewählten syrischen Oppositionellen vom Syrischen Nationalrat (Syrian National Council). Dieses Muster wurde bereits im Jemen angewandt – mit Erfolg. Es ist für jedermann offenkundig, dass durch diese Vorgehensweise lediglich alte durch neue Gesichter ersetzt werden. Mit einem wirklichen Machtwechsel oder einer politischen Neuorientierung hat das alles nichts zu tun. Denn das System, in dem der Westen den Ton angibt und Befehle erteilt, die von den Verräter aus der Ummah ausgeführt werden, bleibt erhalten.
Doch auch dieser US-Plan ist durch die Gnade Allahs gescheitert. Infolge des haltlosen Blutvergießens seitens des Regimes auf der einen und dem heldenhaften Widerstand des syrischen Volkes auf der anderen Seite, durchschaute der Widerstand dieses Vorhaben und machte es zunichte. Infolge dessen gab es abermals einen Strategiewechsel und die 6-monatigen Bemühungen der USA, das syrische Regime einem „Facelift“ zu unterziehen, gingen ins Leere.
Die dritte Strategie lässt sich in einem Satz wie folgt beschreiben: „Kannst du deinen Feind nicht besiegen, verbünde dich mit ihm!“. So planen die USA, einige der regimetreuen Persönlichkeiten zur Fahnenflucht bzw. zum Überlaufen zu verleiten. Diese sollen sich sodann mit der Freien Syrischen Armee verbünden, um deren Ideen und Absichten zu korrumpieren. Zudem versucht Amerika, die Rebellen mithilfe von Geldern und Waffenlieferungen zu bestechen und aus ihren Reihen treue Gefolgsleute zu rekrutieren, die nach dem endgültigen Sturz Assads erneut eine dem Westen ergebene Regierung bilden würden. Diese Strategie verfolgt das Ziel, so viel wie möglich vom alten Regime zu erhalten und gleichzeitig die Illusion einer Veränderung zu erzeugen. Das syrische Volk soll in die Irre geführt werden und die Revolution ihren Antrieb verlieren.
Zum Schluss sei angemerkt, dass es noch eine weitere Option gibt, die jedoch das letzte Mittel darstellt. Wie man sich unschwer denken kann, ist hier ein direktes militärisches Eingreifen in Syrien gemeint. Solch eine Intervention bzw. Invasion könnte möglicherweise wie folgt aussehen:
Die Vereinten Nationen starten eine militärische Mission unter Berufung auf Artikel 7 der UN-Charta – „Maßnahmen bei Bedrohung oder Bruch des Friedens und bei Angriffshandlungen“
Die NATO startet eine Bodenoffensive von der Türkei und erlangt zusätzlich Luftunterstützung von den USA
Gerechtfertigt würde die Invasion mit dem Schutz der Bevölkerung, das Verhindern einer humanitären Katastrophe und der Prävention eines Bürgerkrieges; in einer ähnlichen Weise wie in Libyen.
In dieser heiklen Phase der Revolution gilt es, die Aktivitäten des Westens noch genauer zu beobachten. Zwielichtige Personen wie Manaf Tlass, ehemaliger Brigade-General und guter Freund Assads, oder Nawaf al-Fares, ehemaliger Botschafter Syriens im Irak, sind solche Figuren, die der Westen eventuell für seine Zwecke benutzen wird. Achtsamkeit und politische Weitsicht sind geboten, damit der gesegnete islamische Widerstand nicht zum Spielball der Kolonialisten und in eine falsche Richtung gelenkt wird.