Der Aufstand unserer syrischen Geschwister gegen den Unrechtsherrscher und Vasallen der USA, Baschar al-Assad, geht nunmehr bereits in das zweite Jahr. Laut offiziellen Schätzungen haben mehr als 10.000 Muslime durch die blutrünstigen und islamfeindlichen Schergen des Diktators Assad den Märtyrertod gefunden, und Hunderttausende – wenn nicht Millionen – wurden verhaftet, gefoltert, vergewaltigt, entwurzelt. Und das Schicksal Unzähliger bleibt uns im Unklaren.
Syrien – Im Schatten der Revolution – Teil 1
Der Aufstand unserer syrischen Geschwister gegen den Unrechtsherrscher und Vasallen der USA, Baschar al-Assad, geht nunmehr bereits in das zweite Jahr. Laut offiziellen Schätzungen haben mehr als 10.000 Muslime durch die blutrünstigen und islamfeindlichen Schergen des Diktators Assad den Märtyrertod gefunden, und Hunderttausende – wenn nicht Millionen – wurden verhaftet, gefoltert, vergewaltigt, entwurzelt. Und das Schicksal Unzähliger bleibt uns im Unklaren. Die Muslime haben in ihrer großen Masse die Zeichen der Zeit erkannt und handeln mutig und unerschrocken; so, wie es der Prophet (s.a.s.) von uns verlangt, wenn er spricht:
„Der Herr der Märtyrer ist Hamza ibn Abdilmuttalib und ein Mann, der sich gegen einen ungerechten Herrscher erhebt, ihm das Rechte gebietet und sein Unrecht anprangert und dafür von ihm getötet wird.“ (Hakim und Abu Dawud)
Dieser sogenannte Arabische Frühling nahm am 17. Dezember 2010 in Tunesien seinen Anfang – ausgelöst durch den dramatischen Tod von Mohamad Bouazizi, einem einfachen Gemüsehändler, der aufgrund der korrupten und dem Wesen der Ummah fremden Willkürherrschaft Ben Alis, sich in einem verzweifelten Akt des Protestes öffentlich anzündete und an den Folgen seiner Verletzungen schließlich gestorben ist. Unterstützt durch die neuen Medien, verbreitete sich diese Nachricht, die der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte, wie ein Lauffeuer in der gesamten Arabischen Welt. Infolgedessen gipfelte die Unzufriedenheit der arabischen Völker mit ihren Regenten und Systemen von lokalen Volksaufständen bis hin zu Regierungsumstürzen. Wie Dominosteine kippten die bis dato als schier unantastbar geltenden Herrscher und treuen Vasallen der ungläubigen Kolonialisten von der politischen Bühne direkt in den Mülleimer der Geschichte – einer nach dem anderen. Wie schon zuvor Ben Ali, Gaddafi, Mubarak und Abdullah Saleh, kämpft auch Bashar al-Assad seit nunmehr über einem Jahr um sein Überleben. Jahrzehntelang haben diese schandhaften Despoten im Auftrag ihrer westlichen Herren die Ummah entehrt und ihren Boden und ihre Ressourcen an die ungläubigen Kolonialisten verraten und verkauft; nur um sich und ihre habgierigen Clans auf Kosten der Ummah zu bereichern – getreu den qur’anischen Worten: „Sie verkaufen Allahs Zeichen für einen geringen Preis und halten von Seinem Weg ab. Übel ist wahrlich, was sie tun.“ (9;9)
Sie alle verkennen die Worte des Erhabenen (s.w.t.), wenn Er im Qur’an anmahnt: „Ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht meine und eure Feinde zu Verbündeten, indem ihr ihnen Zuneigung entgegenbringt, obwohl sie das ablehnen, was an Wahrheit zu euch gekommen ist.“ (60;1)
oder wenn es heißt: „Und verkünde den Heuchlern die Frohbotschaft, dass ihnen eine schmerzliche Pein zuteil wird. Diejenigen, die anstelle der Gläubigen die Ungläubigen zu Verbündeten nehmen. Suchen sie etwa Stärke bei ihnen? Wahrlich, die ganze Stärke liegt bei Allah.“ (4;139)
Zweifelsohne ist uns bekannt, dass der Niedergang der muslimischen Ummah bereits im zweiten Jahrhundert nach der Hijra durch die Übernahme islamfremder Geistesbildung und gefährlicher Konzeptionen ihren Anfang nahm – gefolgt von geistiger Umnachtung und einschleichender Nachlässigkeit in den Regierungstätigkeiten. Das Unheil, das nach dem Rechtgeleiteten Kalifat durch Dynastienherrschaft eingeleitet wurde, lähmte die Ummah derart, das letztendlich ihre Feinde über sie herfielen und ihre Furcht vor den einst überzeugten und edlen Fahnenträgern des Islam gänzlich verschwand. Nicht nur die Mongolen und Kreuzfahrer stießen bis in die vitalen Zentren der Ummah vor. Nein! Auch die ungläubigen Kolonialisten, die sich erst durch die Französische Revolution aus ihrem dunklen Mittelalter befreien konnten, teilten unerschrocken den Boden der Ummah unter sich auf und setzten treue Vasallen auf ihr ein, die bis in unsere Zeit hinein ihre Gewaltherrschaft auf brutalste Weise anwenden. Rasulullah (s.a.s.) spricht zu den Sahaba, die sich diese finsteren Epochen nie vorstellen konnten, in einem authentischen Hadith: „Bald werden Nationen andere einladen. Sie werden über euch herfallen und euch zerstören, wie bei Leuten, die andere einladen und über eine Speise herfallen.“ Die Sahaba fragten: „Ya Rasulullah! Wird dies geschehen, weil wir zu jener Zeit gering an Zahl sein werden?“ „Nein“, antwortete Rasulullah. „Eure Anzahl wird groß sein, jedoch werdet ihr wie der Schaum auf dem Meer und schwach wie Stöcke und Strohhalme sein. Allah (s.w.t.) wird die Furcht und die Angst der Feinde gegenüber euch aus ihren Herzen entfernen, und Er wird eure Herzen mit wahhn füllen.“ Die Sahaba fragten: „Was ist wahhn?“ Er antwortete: „Die Liebe für die Welt und die Abscheu vor dem Tod.“
Der Prophet (s.) beschreibt uns in einem authentischen Hadith präzise die Zeit nach ihm bis in unsere aktuelle Epoche hinein, wenn er (s.a.s.) sagt: „Das Prophetentum wird unter euch weilen, solange Allah will, dass es weilt. Dann wird Allah es aufheben, wenn Er es aufheben will. Sodann wird ein Kalifat gemäß dem Plan des Prophetentums entstehen. Es wird weilen, solange Allah will, dass es weilt, dann wird Allah es aufheben, wenn Er es aufheben will. Sodann wird eine bevorrechtete Herrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah will, dass sie weilt, dann wird Allah sie aufheben, wenn Er sie aufheben will. Sodann wird eine Gewaltherrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah will, dass sie weilt, dann wird Allah sie aufheben, wenn Er sie aufheben will. Sodann folgt ein Kalifat gemäß dem Plan des Prophetentums.“
Wie wahr! Wir sind deutlich erkennbar am Ende dieser Prophezeiung angekommen. Die Gewaltherrschaft neigt sich ihrem unwiderruflichen Ende zu. Die Zeichen der Zeit lassen uns ein epochales und unausweichliches Ereignis, nämlich die Wiedererrichtung des des Rechtgeleiteten Kalifats nach dem Plan des Prophetentums, bereits klar erkennen. Die Schwäche und Falschheit der demokratisch-kapitalistischen Lebensweise, die nichts außer Unheil und Vernichtung für die Menschheit gebracht hat, ist sogar bereits für jedes Kind spürbar. Die Menschheit ist orientierungslos und kann nur durch das Licht der islamischen Lebensweise aus den Finsternissen befreit werden, in die sie durch die kapitalistische Lebensweise geraten ist. Und in genau diesem Zusammenhang sind nun die sozialen Unruhen in der islamischen Welt zu betrachten. Die Muslime sind enttäuscht von der westlichen Lebensweise, die seit nunmehr fast einem Jahrhundert auf ihr angewendet wird. Ihnen wurde stets vorgegaukelt, dass sie durch die Annahme der demokratisch-kapitalistischen Lebensweise Fortschritt, Wohlstand und den Weg in die Moderne finden würden. Ihnen wurde eingebläut, dass der Islam und die islamische Lebensweise für das Unheil und die Rückständigkeit der Ummah verantwortlich sei und sie nur durch die feste Bindung an den Westen aus der Armutsspirale hin zum Wohlstand der Nationen gelangen könnten. Genauso, wie die kommunistische Lebensweise nach einer anfänglichen Euphorie der Völker, über die sie angewendet wurde und die durch den Kommunismus einen kurzzeitigen Aufstieg erlebten, in kürzester Zeit unterging, genauso wird auch die kapitalistische Lebensweise ihren Untergang finden. Denn die Menschen – allen voran in der islamischen Welt – haben aus ihrer Lebensrealität heraus erkannt, dass die demokratisch-kapitalistische Lebensweise nichts weiter als ein System repräsentiert, aus dem nur einige wenige profitieren, die Macht und Geld besitzen.
Es ist nämlich unverkennbar, dass die wirtschaftlichen und sozialen Krisen, die wir miterleben, nichts anderes darstellen, als ein Resultat der konsequenten Anwendung kapitalistischer Gesetzmäßigkeiten. Insbesondere in den sogenannten Dritte Welt-Ländern, die hauptsächlich die muslimische Ummah repräsentieren, klafft die Lücke zwischen Arm und Reich mehr noch als in den westlichen Staaten auseinander. Im Rahmen der Aufstände gegen die Unrechtsherrscher in den arabischen Ländern trat offen zutage, welch unvorstellbaren Reichtümer diese durch die Gnade des Westens waltenden Statthalter besitzen. Allein die Schätzungen der angehäuften Vermögen von Ben Ali, Gaddafi, Mubarak, Abdullah Saleh und Assad übertreffen den Bundeshaushalt Deutschlands!
Die Ummah erkennt tagtäglich, dass sie selbst ums nackte Überleben kämpft, während ihre Herrscher ein Leben in Saus und Braus führen. Das Vermögen der Ummah wird zugunsten der Kapitalgewinnung westlicher Staaten missbraucht, während sie selbst an all den Reichtümern, die Allah (s.w.t.) der Ummah hat in Fülle zukommen lassen, keinen Anteil hat. Durch diese Anwendung kapitalistischer Verständnisse erkennt nicht nur die Ummah, sondern auch die Menschheit insgesamt, dass der Kapitalismus genauso wenig wie der Kommunismus imstande ist, korrekte Lösungen für die Probleme des Menschen anzubieten. Denn letztendlich widersprechen beide Lebenssysteme der Natur des Menschen und sind in sich voll von Widersprüchlichkeiten und Ungerechtigkeiten. Ein solches System verdient es nicht, über die Menschheit angewendet zu werden! Und mit genau dieser Erkenntnis gehen die Menschen in der islamischen Welt ohne Angst gegen die ungerechten Systeme auf die Straßen. Sie sind an einem Punkt angelangt, an dem es keinen Ausweg mehr gibt. Sie sind sogar bereit, ihr Leben für ihre Sache zu riskieren und protestieren todesmutig gegen die in ihrer Brutalität nicht zu übertreffenden Unrechtsregime. Der Westen hat diese sozialen Unruhen natürlich erahnt, war jedoch von dem Ausmaß und ihrer Tragweite geschockt und verängstigt. Die USA hatten bereits vorausblickend ihre Politik dahingehend verändert, dass sie die Regierungen, die kaum mehr die Unterstützung der Völker hinter sich hatten, durch freundlichere Vasallen austauschten, bevor es für sie zu unkontrollierbaren politischen Umwälzungen in der islamischen Welt durch islamische Bewegungen kommen sollte. In diesem Kontext ist auch die Aussage des früheren US-Präsidenten George W. Bush zu betrachten, der das Potential der Muslime erkannte und sagte: „Sie wollen eine…politische Utopie im Mittleren Osten durchsetzen…sie würden es Kalifat nennen…Diese Kalifat wäre ein…islamisches Reich, das alle gegenwärtigen und früheren muslimischen Länder umfassen würde – von Europa bis Nordafrika, den Mittleren Osten und Südostasien.“ (8.6.2006, Süddeutsche Zeitung)
Die USA haben angesichts der für sie realen Bedrohungen aus der islamischen Welt ihre Geopolitik verändert. Zbigniew Brzezinski, der außenpolitische Berater Obamas, fasst die teuflischen Vorhaben der USA folgendermaßen zusammen: „Die islamische Welt muss viel komplexer werden. Eine effektive Diffusion der radikal-islamischen Kräfte können wir nur dann erreichen, wenn sie gezwungen sind, sich ständig neu zu formieren. Das Forcieren der Autonomiebestrebungen von verschiedenen ethnischen Gruppen und sogar die Aufteilung ihrer Staaten ist das beste taktische Mittel.“
Mit Komplexität der islamischen Welt meint Brzezinski ein in der Systemtheorie angewandtes Modell des problemlösenden Denkens, bei dem ein Ziel in kleinere Einheiten zerteilt wird, um so große Aufgaben und Probleme besser lösen zu können. Die kleineren, zerlegten Teile sind einfacher zu handhaben und können dann zur Lösung des Gesamtproblems herangezogen werden. Getreu dem altrömischen Motto „divide et impera“ – „teile und herrsche“ versuchen die USA mit rücksichtsloser machiavellistischer Machtpolitik ihren Kopf aus dem Schlamassel zu ziehen, dass erst durch die Anwendung der kapitalistischen Lebensweise entstanden ist.
Was nun die aktuelle Lage in Syrien betrifft, so ist für den politischen Beobachter überaus deutlich, dass die Ereignisse dort nicht von lokaler Natur, sondern in die Welle der arabischen Revolutionen einzubetten sind. Dabei wird am Beispiel Syriens die internationale Dimension dieses Konfliktes erkennbar. Es sind nicht nur die USA, die hier ihren bisher treuen Vasallen al-Assad scheinbar aufgegeben haben und alles erdenkliche unternehmen, um eine für sie hinnehmbare Post-Assad-Ära einzuläuten. Hier wird auch der Konflikt der mit den USA um Einfluss buhlenden europäischen Mächte – allen voran Großbritannien und Frankeich – und der aufkommenden Ambitionen der beiden weiteren Veto-Mächte, Rußland und China, deutlich. Wenn wir über Syrien sprechen, ist es an dieser Stelle sinnvoll, einen kurzen historischen Rückblick zu werfen, um die Ereignisse in ihrer Tiefe verstehen zu können.
Die heutigen Grenzen Syriens wurden am 16.Mai 1916 durch das Sykes-Picot-Abkommen zur Abgrenzung der britischen und französischen Einflusssphären für die Zeit nach dem ersten Weltkrieg vereinbart. Durch die vorangegangenen Intrigen der damaligen Weltmacht Großbritannien, u.a. mit ihrem Agenten „Lawrence von Arabien“, gelang es den Briten, den Nationalismus unter den Arabern und Türken zu säen und das Islamische Reich zu sezieren. Für sein Vasallentum im Hidjaz bekam Faisal I., ein Sohn des Sherifen von Mekka, Hussain I. ibn Ali, ein scheinbar unabhängiges Königreich Syrien unter Einschluss des Libanon, Palästinas und Jordaniens zugesprochen. Auf der Konferenz von San Remo im April 1920 beschlossen England und Frankreich eine Neuaufteilung ihrer Machtgebiete im Nahen Osten, wobei Frankreich ein Völkerbund-Mandat für Syrien und den Libanon erhielt, während die Engländer Irak, Palästina und Jordanien erhielten. Hierauf überfiel Frankreich am 25. Juli 1920 Damaskus und vertrieb König Faisal I. Frankreich beabsichtigte keinen einheitlichen Staat in Syrien, sondern eine Aufteilung in sechs religiös-ethnische Kleinstaaten. Die Drusen jedoch widersetzten sich diesem Vorhaben, sodass es 1925 zur gewaltsamen Niederschlagung des Drusenaufstands durch Frankreich kam, mit intensiven Bombardierungen und Massakern. Unter politischem Druck Großbritanniens und durch die ethnischen Unruhen im Mandatsgebiet, sah sich Frankreich gezwungen, die Gebiete zu einem Staat zusammenzuschließen, wobei zunächst die Region um Aleppo im Norden und Damaskus zum Staat Syrien (1922-1924) zusammengeschlossen wurden und bis 1937 die alevitische Region um Latakia, gelegen am Mittelmeer, und die Drusenregionen hinzukamen. Während der islamischen Herrschaft wurde die Region um Syrien als Al-Scham bezeichnet, während sich die ungläubigen Kolonialisten nach der Zerstörung des Osmanischen Staates auf den altrömischen Namen Syrien einigten, der eine römische Provinz um die Stadt Tyros bezeichnete. Angesichts der Hitler-Invasion in Frankreich im Zweiten Weltkrieg, trat Frankreich die Gebiete um Iskenderun an die Türkei ab, um die Türkei aus ihrer Neutralität Deutschland gegenüber herauszulocken und sie als Verbündeten im Krieg gegen Hitler zu gewinnen. Die Franzosen waren letztendlich von 1920 bis 1945 Mandatsmacht in Syrien. Die Engländer versuchten durch die Aufstachelung des Volkes mittels antifranzösischer Demonstrationen in Damaskus und anderen Städten des Landes, Syrien nach dem Zweiten Weltkrieg für sich zu gewinnen. Die Franzosen bombardierten daraufhin in ihrer bekannt politischen Kurzsichtigkeit Damaskus und richteten ein Massaker an der syrischen Bevölkerung an. Daraufhin erhöhten die Briten unter Winston Churchill den internationalen Druck auf Frankreich, und drohten mit der Entsendung von Truppen, so dass schließlich Frankreich einlenken musste, nachdem auch die UNO einen Abzug Frankreichs forderte und die letzten französischen Truppen am 15. April 1946 Syrien verließen. Kurz darauf, am 17.April 1946, wurde dann die Syrische Arabische Republik ausgerufen, die die Unabhängigkeit Syriens proklamieren sollte, im Grunde aber nichts anderes war als die Übernahme Syriens durch die Engländer mit ihrem Vasallen Husni az-Zaim, der am 11. April 1949 den bisherigen Präsidenten Schukri al-Quwatli in einem unblutigen Putsch absetzte. Nachdem Eisenhower 1953 in den USA zum Präsidenten gewählt wurde, gab er der aufstrebenden Weltmacht das Ziel vor, die Engländer und Franzosen aus dem Nahen Osten zu vertreiben und sich ihrer Kolonien zu bemächtigen. Durch den Putsch der freien Offiziere in Ägypten am 23.7.1952 wurde der britische Vasall König Faruk I. gestürzt. Im weiteren Verlauf gelang den USA durch die Machtübernahme durch Nasser am 24.2.1954 ein schwerer Schlag gegen die alte Mandatsmacht Großbritannien und der Beginn der anglo-amerikanischen Auseinandersetzung im Nahen Osten wurde eingeläutet. Die Engländer versuchten durch den Bagdad-Pakt Syrien dem Irak anzugliedern, während die USA versuchten, Syrien über Ägypten an sich zu binden. Über Ägypten nahmen die USA dann erfolgreich Einfluss auf andere arabische Staaten, insbesondere auch auf Syrien, wo sie den kurdischstämmigen Militärangehörigen Adib asch-Schischakli zum Präsidenten (1953-1954) putschten. Hierauf putschten die Engländer 1954 gegen asch-Schischakli und versuchten auf parlamentarischem Weg und über Wahlen, das Land zu stabilisieren. Durch den arabischen Nationalismus, personifiziert durch Gamal Abdul Nasser, gelang es der Baath-Partei mit der Parole „Einheit, Freiheit, Sozialismus“, sowohl im Volk als auch – angesichts der Auseinandersetzungen mit Israel – in der Armee Anklang zu finden. Den USA gelang es mit ihren Agenten, Syrien und Ägypten unter starker Führung von Nasser in einen Zusammenschluss zu bewegen, der am 1. Februar 1958 als Vereinigte Arabische Republik in Erscheinung trat. 1961 putschten syrische Offiziere unter Regie der Engländer, was das Ende dieses Zusammenschlusses bedeutete und die Machtübernahme durch die Baath-Partei im Mai 1963 durch einen weiteren Putsch. Aus dieser Situation verschafften sich nun die USA ihrerseits Vorteile. Inzwischen standen nur noch Jordanien und der Irak in unmittelbarer Nähe zu Syrien unter britischem Einfluss. Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 mit dem Verlust der Golan-Höhen an Israel, erstarkte der Verteidigungsminister und nusairitische Alevit, Hafiz al-Assad, und ließ sich 1971 zum Präsidenten und Generalsekretär der Baath-Partei wählen. Seither haben die USA die unumstrittene Macht in Syrien inne.
Die Nusairier stellen mit etwa 5% Bevölkerungsanteill eine Minderheit von knapp 1.000.000 Personen dar, die jedoch seit der französischen Mandatszeit deutlich an politischem Gewicht gewonnen hat und vor allem im Militär und Geheimdienst einen wichtigen Pfeiler bildet. Daneben gelten die Minderheiten der Drusen und Christen als weiterer wichtiger Eckpfeiler des Staates. Im Juli 1973, nach der Präsidentschaftswahl Hafiz al-Assads, drängten sunnitische Kreise darauf, dass der Präsident nur ein Muslim sein dürfe. Daraufhin erkannte als erste schiitische Autorität Ayatollah Musa al-Sadr im Irak mit zunehmendem Einfluß in Syrien und Libanon die Nusairis als Muslime an, obwohl deren Lehre überhaupt nicht mit dem Islam vereinbar ist. Nusairiten gehen von einer Dreieinigkeitslehre aus, bei der Ali (r.a.) im Verbund mit Muhammad (s.a.s.) und Salman al Farsi einen Zyklus bildet. Dabei sei Ali eine Erscheinungsform Gottes. Sie sind nicht an die Shariah gebunden, können jedoch durch Taqiyya Teile von ihr praktizieren. Nach dem Tode seines Vaters wurde Baschar al-Assad im Jahr 2000 zum Präsidenten Syriens gewählt.
Angesichts dieser historischen Entwicklungen in Syrien im Zentrum der anglo-amerikanischen Auseinandersetzungen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die derzeitigen Aufstände gegen das Regime Bashar al-Assads von internationaler Dimension sind. Es findet also auf dem Rücken der Bevölkerung hinter den Kulissen ein politischer Kampf um Einfluss nach dem Sturz Assads statt. Hierin stehen sich vor allem die Europäer unter der Führung Großbritanniens und die bisherige Schutzmacht Syriens, die USA, gegenüber. Die Vasallen Englands in der Region, Saudi Arabien und Qatar, unterstützen mit ihrem Einfluss auf die Arabische Liga einen Regierungsumsturz in Syrien, während die USA versuchen, auf Zeit zu spielen und permanent die Arabische Liga, den Iran, die Türkei die UNO und weitere Gremien nutzen, um Druck von Assad zu nehmen und nach einer ihnen genehmen Lösung zu suchen. Sie wissen, dass Assad nicht mehr zu halten ist und haben sich auch mehrfach von ihm verbal distanziert, jedoch wissen sie auch, dass die Europäer ihren Einfluss auf den syrischen Nationalkongress geltend machen, der von Burhan Ghalioun, einem in Frankreich befindlichen Exil-Oppositionellen angeführt wird. Dieser Zusammenschluss diverser Oppositionsbewegungen – einschließlich der Muslimbruderschaft – macht einen direkten US-Einfluss auf die Neugestaltung Syriens nach Assad kompliziert. Um die Opposition vorzuführen, wurde ein in Syrien ansässiges Nationales Koordinations-Kommittee unter Führung von Hussain Abdul Azim ins Leben gerufen; allem Anschein nach von den USA, die den Einfluss islamischer Bewegungen auf den syrischen Nationalkongress missbilligen und verhindern wollen. Dieses Komitee hat aber bislang keine weitreichende internationale Anerkennung gefunden. Vor allem die Vasallen Englands in der Region fordern militärische Hilfe für die syrische Opposition, um so ihren Einfluss zu stärken und die Opposition oder zumindest Teile von ihr in die gewünschte Richtung zu lenken. Die USA haben hierauf natürlich reagiert und am 25.2.2012 erklärt, dass eine militärische Aufrüstung der syrischen Opposition der Sache derzeit weder dienlich noch weise sei. Die USA haben auch erkannt, dass die syrische Opposition, die sich säkular-demokratisch nennt, zerstritten ist und nicht die Emotionen und den Ruf der syrischen Bevölkerung widerspiegelt, die sich mit islamischen Parolen gegen Assad auflehnen.
Sowohl Hillary Clinton als auch Martin Dempsey, US Joint Chiefs of Staff, haben im Februar 2012 erklärt, dass die syrische Opposition nicht in ihrer Einheit erkennbar ist und dass Assad zwar letztendlich abtreten wird, sie aber nicht sagen können, wann dieser Tag genau sein werde. Vielmehr versuchen die USA, internationale Konferenzen zu Syrien einzuberufen, wie etwa kürzlich im Februar 2012 in Tunis und im März 2012 in Istanbul, um ihren Weg der Konfliktlösung durchzusetzen. Durch diese Konferenzen und Beobachtermissionen, die die USA organisieren, haben sie es Assad de facto ermöglicht, brutal gegen die Muslime vorzugehen und Fakten zu schaffen. Dabei kommt den USA auch das Veto Russlands und Chinas entgegen, die eine international einvernehmliche Lösung noch verhindern. Hillary Clinton hat im Zusammenhang mit Syrien mehrfach betont, dass sie an die Reformbemühungen von Assad glaube, wohingegen sie selbst eben solche Reformbemühungen Gaddafi etwa nicht zugestanden hatte. Hier wird deutlich, dass die Auseinandersetzung um Syrien von sehr komplexer Natur und nicht mit den anderen arabischen Ländern wie Tunesien, Libyen oder Ägypten vergleichbar ist.
Angesichts der anstehenden Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr, möchten die USA eine direkte militärische Intervention in Syrien vermeiden und versuchen vielmehr durch beispielsweise Waffenlieferungen an die Freie Syrische Armee über die Türkei, Ausrufung von Sanktionen, politische Gespräche über die Zukunft Syriens oder die Einschaltung der Arabischen Liga auf Zeit zu setzen. Die USA scheinen auch hier ähnlich wie in Ägypten zu verfahren und verschaffen ihrem gefährdeten Despoten eine Schonfrist, damit dieser noch mit allen Mitteln den Aufstand niederknüppeln kann, während sie parallel ihre Kontakte zur Opposition ausbauen um geeigneten Ersatz zu finden – für den Fall, dass der herrschende Despot versagt. Die Freie Syrische Armee wird ähnlich wie in Libyen von westlichen Geheimdiensten und Eliteeinheiten unterstützt, wobei sowohl die USA als auch England und Frankreich beteiligt sind, um diese Bewegung an sich zu binden und zu beeinflussen. So wird aus einem Bericht der britischen Elite Forces vom 5. Januar 2012 ersichtlich, dass sowohl britische wie auch französische Spezialeinheiten in einer Militärbasis in der Türkei Angehörige der Freien Syrischen Armee ausbilden. Weiterhin sind wohl in Lybien und im Nordlibanon Trainingscamps eingerichtet worden. Auch die CIA unterhält Kontakte zu dieser neu formierten Armee, die ihr Kommunikationsgeräte und Satellitenbilder zur Verfügung stellt.
Es bleibt nun abzuwarten, welchen Lauf die weiteren Entwicklungen in Syrien nehmen werden. Die sogenannte Internationale Gemeinschaft – ein Synonym für die USA, hinter dessen Maske sie ihre Forderungen stellen – hat sich zuletzt auf Gespräche des UN-Sondergesandten Kofi Annan mit Assad geeinigt. Dies dürfte lediglich als ein weiterer Schachzug der Amerikaner verstanden werden, Zeit zu gewinnen und ihre eigene Position in diesem Konflikt zu stärken, weil sie durch dieses taktische Manöver auch Russland und China als bisherige Schutzmächte Assads mit ins Boot nehmen und ihnen dieses Zugeständnis abringen konnte.