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Allgemein Das Ziel vor Augen

Der Mensch setzt sich Ziele im Leben, für deren Umsetzung er Mühe und Zeit aufwendet. Das Herauskristallisieren der jeweiligen Ziele resultiert aus seinem Überzeugungsfundament, das die grundlegenden Fragen des Menschen nach dem Ursprung und dem Sinn des Lebens sowie den Geschehnissen nach dem Tod beantwortet.

Der Mensch setzt sich Ziele im Leben, für deren Umsetzung er Mühe und Zeit aufwendet. Das Herauskristallisieren der jeweiligen Ziele resultiert aus seinem Überzeugungsfundament, das die grundlegenden Fragen des Menschen nach dem Ursprung und dem Sinn des Lebens sowie den Geschehnissen nach dem Tod beantwortet. Gleichzeitig dient dieses Fundament als Quelle des Handlungsmaßstabs im Leben und als Ursprung der Definition des größtmöglichen Glücks, dem der Träger dieser Grundüberzeugung in seinem irdischen Dasein stets nacheilt. Alle Handlungen und Aspekte des Lebens werden zur Erlangung dieses höchsten Zieles ausgerichtet, wobei Strapazen und Erschwernisse für ihre Realisierung billigend in Kauf genommen werden.
Deshalb erhebt der Träger des kapitalistischen Überzeugungsfundaments den Nutzen zum Handlungsmaßstab und die maximale Befriedigung der organischen Bedürfnisse und Instinkte zum höchsten Glück. Der materielle Genuss wird, fernab der spirituellen Komponente, in den Fokus gerückt. Das Streben nach Geld, Macht, Ansehen und der Überfluss an Gütern stellen die Maxime des Kapitalisten dar. Basierend hierauf richtet er sein Leben aus, sodass er seit Kindesalter einen Beruf anstrebt, der ihm all dies gewährleistet. So berichten erfolgreiche Sportler und Geschäftsmänner in ihren Biographien von ihrem unbändigen Ehrgeiz, der sie zu Höchstleistungen animierte und über sie über sich selbst hinauswachsen ließ. Zahlreiche Erschwernisse und Strapazen, die sie auf ihrem Weg begleiteten, wurden durch die Vergegenwärtigung ihrer Ziele überwunden. So ruft sich der aufstrebende Sportler all den Ruhm und Luxus in Erinnerung, um seine anstrengenden Trainingseinheiten zu überwinden. Aufgrund dessen behält er sein Ziel stets im Auge und trotzt jeder Hürde, die ihm begegnet.
Doch der Horizont des Muslims reicht weit hinter die Schranken des diesseitigen Lebens hinaus, denn Allah (s.w.t.) berichtet dem Muslim durch den Qur’an und die Sunna seines Gesandten (s.a.s.) von der wahren Natur des Lebens. Diesbezüglich spricht der Erhabene: Dieses irdische Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte aber ist wahrlich das eigentliche Leben, wenn sie (es) nur wüssten! (Sura 29, Aya 64)
Und der Gesandte (s.a.s.) spricht: „Das Diesseits ist im Vergleich zum Jenseits so, als ob einer von euch seinen Finger in den Ozean taucht und dann schaut, was er davon genommen hat.“ (Muslim)
Gemeint ist hier, dass der Tropfen, der an der Fingerspitze haften bleibt, dem Diesseits entspricht und der Ozean im Vergleich hierzu dem Jenseits.
Durch diese Äußerungen Allahs (s.w.t.) und Seines Gesandten (s.a.s.) wird das Hauptaugenmerk des Muslims auf das Jenseits gelenkt. Die Gesetze Allahs stellen dabei den Handlungsmaßstab des Gläubigen dar, und der Eintritt in das ewige Paradies wird zum obersten Ziel des Gottergebenen erkoren. Das Streben nach dieser ewigen Glückseligkeit ist an das Erlangen des Wohlgefallens des Allmächtigen verknüpft, welches an die Einhaltung seiner Gebote und Verbote in allen Lebenssituationen gebunden ist. Im Zuge dieses Bewusstseins zeichnet sich der Muslim durch die Verrichtung weiterer empfohlener Handlungen aus; ganz im Sinne des Hadith Qudsi: „…O Sohn Adams! Du wirst das Meinige nicht erlangen, ehe du das vollziehst, was Ich dir vorgeschrieben habe. Mein Diener nähert sich Mir so lange mit Wünschenswertem, bis ich ihn liebe.“ (Al-Kabir von Al-Tabarani).
Als natürliche Begleiterscheinungen im Leben des Muslims tauchen Prüfungen und Erschwernisse auf, mit denen der Gläubige auf seiner diesseitigen Reise konfrontiert wird. Diesbezüglich spricht der Erhabene: Und Wir werden euch ganz gewiss mit ein wenig Furcht und Hunger und Mangel an Besitz, Seelen und Früchten prüfen. Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften. (Sura 2, Aya 155)
Faktoren, die das Überwinden dieser Erschwernisse erleichtern können, sind unter anderem das Verständnis bzw. die Konzeption von Standhaftigkeit oder das permanente Vergegenwärtigen des Lebenszieles. Dies wird im Qur’an anhand von Beispielen und durch das Leben unseres Propheten (s.a.s.) verdeutlicht.
So wird uns von der rechtschaffenen Ehefrau des Pharaos berichtet, die insgeheim in den Islam eingetreten war. Als Pharao (Allahs Fluch auf ihm) von der Überzeugung seiner Ehefrau erfuhr, ließ er sie an ihren Brüsten aufhängen und foltern. In dieser äußerst schweren Situation wendete sich diese vorbildhafte Frau an Allah (s.w.t.): Und Allah legt denen, die glauben, das Beispiel von Pharaos Frau vor, als sie sagte: „Mein Herr! Baue mir ein Haus bei Dir im Paradies und befreie mich von Pharao und seinen Taten und befreie mich von dem Volk der Ungerechten! (Sura 66, Aya 11).
Ihr Gedenken an Allah (s.w.t.) und ihr Verlangen nach dem Paradies in dieser brutalen Situation, zeigen uns ihre nachahmenswerte Denkweise und Standhaftigkeit auf, durch die sie grausamer Folter trotzen konnte.
Gleichzeitig finden wir im Märtyrertum einer weiteren Heldin des Islam ein wahrlich vorbildliches Beispiel. Als die Götzendiener Mekkas in der Anfangszeit der Dawa des Propheten (s.a.s.) seine schwachen und schutzlosen Gefährten (r.a.) folterten, gehörte auch die Familie von Ammar bin Yasir zu ihnen. Ammars Mutter, Sumayyah, wurde von den Feinden Allahs auf die schlimmste Art und Weise gequält, sodass sie letztendlich als erste Märtyrerin des Islam zu Allah (s.w.t.) zurückkehrte. Als der Prophet (s.a.s.) die Folter seiner geliebten Gefährten beobachtete, rief er dieser rechtschaffenen Familie zu: „Seid standhaft Aal-Yasir, euer Treffpunkt ist das Paradies!“ und Sumayyah, die übelster Pein ausgesetzt war, antwortete in dieser heiklen Situation: „Ich kann es (das Paradies) sehen, o Gesandter Allahs!“
Dieses Ereignis zeigt auf, dass der Prophet (s.) den Fokus der Familie Aal-Yasir auf das ultimative Lebensziel und ihr zukünftiges, ewiges Leben richtete. Somit waren sie unter anderem in der Lage, diese große Qual zu überwinden und auf dem Weg ins Paradies standhaft zu bleiben.
Anhand dieser großartigen Persönlichkeiten und ihrem beispielhaften Durchhaltevermögen wird die Wichtigkeit der permanenten Erinnerung an das Ziel im Leben des Muslims deutlich. Hierdurch wird er die täglichen Herausforderungen und Prüfungen besser überwinden können. Dies trifft vor allem auf den Dawa-Träger zu, da er sich der Aufgabe der Propheten bezüglich der Verkündung der Botschaft angenommen hat. Er wird vielen Schwierigkeiten und Barrieren begegnen. Aufgrund seiner Tätigkeit begibt er sich in das politische Feld, ist ein Akteur im ideologischen Kampf, gebietet das Rechte und prangert das Unrecht an und weist auf die Verbrechen der Herrscher hin. Er interagiert mit der Gesellschaft, um ihr politisches Bewusstsein zu wecken und das Kalifat zu errichten. Belastung, Verleumdung und Verfolgung werden somit die Konsequenzen dieser ehrenhaften Aufgabe sein. Deshalb sollte er seine Gedanken stets im Reflektieren über das Verweilen im Paradies und im Kalifat ruhen lassen, um seine Ziele im Auge zu behalten und diese Prüfungen besser zu meistern. Jeglicher Widerstand, der ihm auf dem Wege der Verkündung begegnet, wird an ihm zerschellen, denn er wandelt auf dem Wege Allahs und arbeitet daran, die Menschheit aus den Finsternissen hin zum Lichte des Islam zu führen.
Alif-Lām-Rā. Dies ist ein Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit du die Menschen mit der Erlaubnis ihres Herrn aus den Finsternissen zum Licht führen mögest, auf den Weg des Erhabenen, des Preiswürdigen. (Sura 14, Aya 1)