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Allgemein Freundschaft

Der Mensch stellt aufgrund seiner instinktiven Veranlagung ein Gemeinschafts- bzw. Gesellschaftswesen dar. Deshalb tritt er als aktives Mitglied der Gesellschaft in Erscheinung und sucht den Kontakt zu seinen Mitmenschen. Dieses instinktive Merkmal ist bei jedem Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt und unterliegt Schwankungen.

Der Mensch stellt aufgrund seiner instinktiven Veranlagung ein Gemeinschafts- bzw. Gesellschaftswesen dar. Deshalb tritt er als aktives Mitglied der Gesellschaft in Erscheinung und sucht den Kontakt zu seinen Mitmenschen. Dieses instinktive Merkmal ist bei jedem Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt und unterliegt Schwankungen. Beispielsweise wird eine introvertierte, in sich gekehrte Persönlichkeit eher die Abgeschiedenheit und den engen, innigen Kontakt zu wenigen Lebewesen suchen. Ein extrovertiertes Individuum hingegen wird offener für andere Menschen sein.
Da sich der Einzelne in einem bestimmten Milieu bewegt, kommt es zu vermehrtem Kontakt mit speziellen Personengruppen, sodass sich seine zwischenmenschlichen Beziehungen je nach Stärke und Intensität seiner Interaktion eingrenzen lassen. Durch die Kontakte zu anderen Individuen in der Schule, an der Universität, bei der Arbeit, im Sportverein oder in der Nachbarschaft entwickelt sich eine engere Beziehung, die zu einer Freundschaft heranreifen kann. Da die Freundschaft genau wie andere Zusammenkünfte von Menschen, wie etwa dem Handel, eine zwischenmenschliche Beziehung darstellt, bedarf sie Regelungen.
Diese Richtlinien entspringen aus den vorherrschenden Handlungs- und Wertemaßstäben der jeweiligen Ideologien und Weltanschauungen. Ungeachtet dieser Richtlinien und der Realität herrscht jedoch ein „universelles“ Idealbild der Freundschaft vor. Dieser Konsens erstreckt sich über alle kulturellen Unterschiede hinweg und beschreibt das Verständnis der Freundschaft als eine von Vertrauen, Opferbereitschaft, Zusammenhalt und Harmonie bestimmte Beziehung. Der Freund hat stets ein offenes Ohr für Probleme, steht einem immer zur Seite und bewahrt die intimsten Geheimnisse für sich. Dieses Bild zeichnet auch der Kapitalismus in zahlreichen Kinofilmen, Romanen und Erzählungen.
Betrachtet man hingegen die Realität der Freundschaft in der hiesigen kapitalistischen Gesellschaft, erkennt man das Elend und die Verdorbenheit dieser Ideologie für die Menschen. Wie auch in allen anderen Lebenssituationen und Beziehungen, stellen das eigene Interesse und der Nutzen den Handlungsmaßstab dar. „Freundschaften“ entstehen auf Basis derselben Interessen wie beispielsweise Feierlichkeiten oder der Konsum von Suchtmitteln. Als Resultat gehören üble Nachrede, Betrug, Ausnutzung und Affären zur Normalität. Ist der angezielte Nutzen verschwunden bzw. nicht mehr vorhanden, ist auch die Kameradschaft beendet, und aus ehemaligen Freunden können rasch Feinde werden. Oftmals werden Beziehungen auch als Aushängeschild genutzt, um gesellschaftliches Ansehen und Akzeptanz zu erlangen, wobei dies oftmals Unterordnung und Heuchelei in sich birgt, da man dem Chef der Clique zu gehorchen hat. Die Realität der Freundschaft im Kapitalismus ist unmenschlich, da sie dem Menschen nur einen materiellen Wert beimisst. Sie ist konträr zum Idealbild.
Die Basis der Freundschaft im Islam ist weder Nutzen noch Profit sondern einzig und allein das islamische Überzeugungsfundament. Alle Muslime sind Geschwister. Sie sind durch die Aqida verbunden sind und stiften untereinander Frieden.
So spricht der Erhabene: „Die Gläubigen sind doch Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren beiden Brüdern und fürchtet Allah, auf dass ihr Erbarmen finden möget.“ (49;10).
Darüber hinaus, dass alle Muslime Geschwister sind, entsteht durch den täglichen Umgang mit bestimmten Muslimen eine engere Beziehung, die man als Freundschaft bezeichnen kann. Im Gegensatz zum Kapitalismus besteht die Brüderlichkeit bzw. Freundschaft im Islam in erster Linie nicht aus Spaß und Vergnügen, sondern vielmehr schreibt sie den Muslimen untereinander Pflichten und Rechte zu. So sagt der Prophet (s.a.s.): „Ein Muslim ist der Bruder des anderen. Er lässt ihn nicht im Stich, belügt und unterdrückt ihn nicht. Ein jeder von euch ist für den seinen Bruder ein Spiegel. Wenn er einen Schaden erblickt, soll er ihn beseitigen.“(Tirmidhi)
Üble Nachrede, Beleidigungen und Demütigungen, wie unter Freunden im Kapitalismus, werden vom Islam scharf verurteilt. Der Schutz und die Verteidigung der Glaubensgeschwister sind ein wesentliches Charakteristikum der Freundschaft im Islam. Gleichzeitig ist es Aufgabe der Freunde, sich gegenseitig auf ihre Schwächen und Mängel im Verhalten hinzuweisen. Denn das Anhalten zur Wahrheit, um den Weg ins Paradies gemeinsam zu beschreiten, stellt ebenfalls ein wichtiges Element im Verständnis dieses islamischen Vertrauensverhältnisses dar.
Weiterhin berücksichtigt der Islam den gewaltigen Einfluss der Gesellschaft bzw. des Umfeldes auf das Individuum, wenn der Prophet (s.a.s.) den Menschen in Bezug auf seinen engeren Freundeskreis zu besonderer Achtung rät: „Der Mensch hat die Religion seines engsten Freundes, so soll jeder schauen, wen er zum engsten Freund nimmt.“ (Tirmidhi)
Standpunkte und Verhaltensweisen des Freundeskreises übertragen sich auf die eigene Persönlichkeit. Bei einem unislamischen inneren Kreis besteht die Gefahr, in Schlechtigkeiten abzustürzen und sich von der Rettung zu entfernen. Bedauerlicherweise ist der Freundeskreis für viele junge Muslime im Westen ein großes Hindernis, da sie oftmals die wahre Natur ihrer unislamischen Beziehung nicht erkennen, sodass eine Aufklärung bezüglich dieser Thematik oftmals notwendig ist.
Das Festklammern an praktizierenden Muslimen, die sich nicht scheuen, das Rechte zu gebieten und das Unrecht anzuprangern, die dem erleuchteten Weg und nicht den Abwegen folgen und einem die Wahrheit ans Herz legen, weil sie ihre Brüder im Jenseits nicht schlimmer Pein ausgesetzt sehen wollen, sollte das Ziel jedes Muslims sein; damit man nicht zu denjenigen gehört, die am Tage der Auferstehung sagen werden: „O wehe mir! Hätte ich doch nicht den Soundso zum Freund genommen! Er hat mich ja von der Ermahnung abirren lassen, nachdem sie zu mir gekommen war. Der Satan pflegt den Mensch stets in Stich zu lassen.“ (25; 28-29)