Manche Heldinnen, wie Nusaybah Bint Ka’ab (r.a.), kämpfen in tobenden Schlachten. Andere sind ein Hort des Wissens, gleich unserer Mutter ‚Aisha Bint Abi Bakr (r.a.). Wiederum andere werden als Edelste unter den Edlen bis zum Anbruch des jüngsten Tages unvergessen bleiben, wie unsere Mutter Khadija Bint Khuwaylid (r.a.). Heldentum verlangt aber nicht zwingend, ruhmreiche Taten zu begehen. Über eine Heldin muss auch nichts in den Büchern der Geschichte stehen. Eine Heldin muss sich nicht einmal besonderer Bekanntheit erfreuen.
Denn es gibt Heldinnen, die in ihrer klammheimlichen
Manche Heldinnen, wie Nusaybah Bint Ka’ab (r.a.), kämpfen in tobenden Schlachten. Andere sind ein Hort des Wissens, gleich unserer Mutter ‚Aisha Bint Abi Bakr (r.a.). Wiederum andere werden als Edelste unter den Edlen bis zum Anbruch des jüngsten Tages unvergessen bleiben, wie unsere Mutter Khadija Bint Khuwaylid (r.a.). Heldentum verlangt aber nicht zwingend, ruhmreiche Taten zu begehen. Über eine Heldin muss auch nichts in den Büchern der Geschichte stehen. Eine Heldin muss sich nicht einmal besonderer Bekanntheit erfreuen.
Denn es gibt Heldinnen, die in ihrer klammheimlichen Existenz jeden Kontinent dieser Erde bevölkern, die Heldinnen des Alltags. Sie haben noch nie ein Schwert geschwungen, große Mühe, einen Juz‘ aus dem Qur’an auswendig zu lernen und wohnen ganz unedel in den Städten und Dörfern dieser Welt. Doch sie opfern sich klaglos, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.
Heldinnen des Alltags sind wie die tragenden Wände eines Gebäudes. Die Gesellschaft mag ihnen wenig Anerkennung schenken, vielleicht bleibt ihre Existenz gar gänzlich unbeachtet. Ohne sie würde jedoch das gesamte gesellschaftliche Konstrukt wie das sprichwörtliche Kartenhaus zusammenfallen. In diesem Sinne sind die Heldinnen des Alltags ihren Ehemännern und Familien nicht wegzudenkende Stützen. Sie waschen, kochen, bügeln, putzen und das mit einer täglichen Routine, über den Großteil ihres Lebens hinweg. Sie füllen ihre Häuser mit Gemütlichkeit und Wärme, bieten geistige und physische Erholung nach anstrengenden Tagen. Heldinnen des Alltags teilen mit ihren Ehemänner die Zeiten des Glücks und die Zeiten der Sorge. Sie stehen diesen mit Rat, Hilfe, offenen Ohren und Schultern zum Ausweinen zur Seite. Wenn die Ehemänner Tag für Tag die Häuser verlassen, um ihrer Da’wa oder ihrer Arbeit nachzugehen, bleiben sie als Hüterinnen der Häuser und der Geheimnisse ihrer Männer zurück. Oft warten sie vergebens auf einen gemeinsamen Tag oder eine gemeinsame Unternehmung. Ihre krisenfeste Loyalität nimmt daran jedoch keinen Schaden.
Heldinnen des Alltags teilen ihre Körper mit den kleinen Menschen, die Allah (swt) ihnen zur Obhut und Pflege schickt. In Mühsal und Schmerz tragen sie diese aus und lassen sie von sich zehren. Des Nachts stehen sie auf, um den Hunger der kleinen Geschöpfe zu stillen, bis die Übermüdung zu ihrem steten Begleiter und die dunklen Ringe unter den Augen zu ihrem Erkennungszeichen werden. Stundenlang sitzen sie in mütterlicher Sorge an kleinen Krankenbetten, sind bedingungslos bereit, ihre eigene Gesundheit für die ihrer Kinder zu opfern. Sie wechseln in ihrem Leben tausende von Windeln, tragen Kinder unter ihren Herzen und auf den Armen, bis ihre Rücken schmerzen. Heldinnen des Alltags geben sich für ihre Kinder auf, welche sie zu den aufrechten Muslimen der Zukunft erziehen und die ihnen niemals auch nur einen Bruchteil all dieser Anstrengung werden zurückzahlen können. Die Pflege und Fürsorge endet jedoch nicht mit dem Erwachsenwerden ihrer Kinder. Noch bevor oder nachdem diese das Haus verlassen, nehmen sich die Heldinnen des Alltags in aufopferungsvoller Hingabe ihrer gealterten Eltern an. Sie waschen und füttern, begleiten zu Ärzten und in Krankenhäuser, bis sie schließlich an Sterbebetten die Hände ihrer geliebten Mütter und Väter halten und ihnen in der Totenwaschung den letzten Dienst erweisen.
Heldinnen des Alltags werden angefeindet für ihre Unterwerfung unter den Willen Allahs, belächelt für den Gehorsam gegenüber ihren Ehemännern und geringgeschätzt für den Dienst an ihren Kindern und Familien. Doch Anfeindung und Geringschätzung schmälern weder ihre Anstrengung noch ihre alles überstrahlende Würde, vielmehr gehen sie aus alldem mit gestärktem Willen hervor. Die Heldinnen des Alltags genießen keine große Aufmerksamkeit, kein Bild in der Zeitung, keine Schlagzeile, kein Rampenlicht. Sie sind wie der Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht. Sie halten die Gesellschaft am Laufen und doch machen sie kein Aufheben um sich. Heldinnen des Alltags sind genügsam und zurückhaltend, doch wer hinschaut, wird sie überall finden. Wie schlimm steht es um eine Gesellschaft, die ihre Heldinnen nicht erkennt? Eine Gesellschaft, in der die bedingungslose Selbstaufgabe der Heldinnen des Alltags abfällig belächelt wird? Heldinnen des Alltags erwarten keinen Dank, nur das Wohlwollen ihres Herrn. Doch eine Gesellschaft, die die Heldin des Alltags nicht in Ehren hält, wird irgendwann aufhören, sie hervorzubringen. Ohne Heldinnen des Alltags jedoch ist jede Gesellschaft dem langsamen aber sicheren Untergang geweiht.
Der Islam ist in Geschichte und Gegenwart voll von Helden. Solchen, die vergangene und laufende Schlachten kämpfen, mit dem Schwert oder dem Wort. Der Islam ist aber eben auch voll von Heldinnen, die mit ihrem nicht zu brechenden Willen und in schweigsamer Würde allen Herausforderungen des Alltags trotzen. Und sicherlich hat soeben die eine oder andere Heldin diesen Artikel zu Ende gelesen.