Die übermächtig erscheinenden Zionisten und ihr Staat sind nichts weiter als ein Konstrukt westlicher Kolonialpolitik. Während die geistigen Wurzeln ihrer Bewegung im europäischen Säkularismus und Nationalismus liegen, war die Gründung Israels nur durch die britische Kolonialpolitik und die Unterstützung der USA möglich, die nach dem zweiten Weltkrieg zur neuen Hegemonialmacht aufstiegen.
Als am 22. Juli 1946 kurz vor zwölf Uhr mittags ein Lastwagen am Jerusalemer King-David-Hotel eintraf, ahnte noch keiner der Gäste, dass es sich beim Inhalt der gelieferten Milchkannen um hochexplosiven Sprengstoff handelte, der binnen kurzer Zeit über 90 Menschen in den Tod reißen sollte. Der Terroranschlag sollte als der für Jahrzehnte schwerwiegendste Anschlag in Palästina in die Geschichte eingehen. Ziel der Terroristen waren die Briten, die im Luxushotel ganze Etagen mieteten, um von dort aus das Mandatsgebiet Palästina zu verwalten. Doch die Attentäter waren keine Palästinenser, Araber oder Muslime, die sich an den Kolonialherren rächen wollten. Die Attentäter waren jüdische Zionisten, Mitglieder der verbotenen Terrororganisation Irgun. Kopf der Terrorbande war niemand geringeres als Menachem Begin, späterer israelischer Regierungschef und – als hätte der Anschlag nie stattgefunden – Friedensnobelpreisträger.
Doch was veranlasste die Zionisten zu diesem Anschlag gegen Großbritannien? Jene Macht, die ihnen Jahrzehnte zuvor die Besiedlung des Heiligen Landes zubilligte, ja gar unterstützte? Jenes Großbritannien, das ihnen – noch bevor Jerusalem einverleibt wurde – im Jahre 1917 in der Balfour-Deklaration eine nationale Heimstätte zugesichert hatte? Es wird einer gesamtgeschichtlichen Darstellung und Differenzierung nicht gerecht, die zionistischen Aggressionen gegen die britische Mandatsmacht auf einige wenige Ereignisse herunterzubrechen. Gleichwohl ist festzuhalten, dass der arabische Widerstand – samt seiner diplomatischen Bemühungen – insoweit Früchte getragen hatte, dass die Briten das Vorhandensein realer palästinensischer Bedürfnisse und die beispiellose Aggression der Zionisten nicht mehr ignorieren konnten. Mehr noch, rückten diese Bedürfnisse immer weiter in den Vordergrund, ging doch die fantastische Vorstellung der vom Sozialdarwinismus geprägten Kolonialisten nicht auf, dass sich die Muslime binnen kurzer Zeit dem Kolonialplan vollends ergeben würden. Dabei war die Rechnung recht simpel: Kommen die zurückgebliebenen Araber, die über Generationen hinweg von den Türken ignoriert wurden, erst einmal in den Genuss technologischen, infrastrukturellen und wirtschaftlichen Fortschritts, so würden die hilfebedürftigen Muslime die Briten auf Knien darum anbetteln, kolonialisiert zu werden. In Wahrheit waren die Muslime und Christen – ja sogar die über Generationen hinweg ansässigen osmanischen Juden – mit der vollen Härte der kolonialen Hegemonie konfrontiert, die einen unkontrollierbaren Flächenbrand im gesamten Nahen Osten zur Folge hatte.
Zwar gingen die Briten und Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg als Sieger hervor und schmiedeten bereits ein Jahr vor dessen Ende ihre kolonialen Teilungspläne in der islamischen Welt; doch wurden sie nicht – wie angenommen – Herr über die Situation. Während Frankreich seinen Einfluss gegenüber den Briten schnell räumen musste, stand das British Empire vor einem Scherbenhaufen, der sich als zu gewaltig und zu komplex erwies. Kaum vom Great War erholt, waren Unmengen an weiteren Ressourcen vonnöten, um die Lage in der kolonialisierten islamischen Welt in den Griff zu bekommen. Dabei stand die Zeit nicht auf der Seite der Briten: Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme Adolf Hitlers war es nur eine Frage der Zeit, bis die britische Regierung in einen neuen Weltkrieg gezerrt würde. Ein weiterer Aufstand in Palästina seitens der Muslime und die Verselbstständigung der Zionisten bzw. ein damit einhergehender Kontrollverlust bildeten ein erschreckendes Szenario für die britischen Kolonialherren, die ohnehin Gefahr liefen, dass Palästina zu einem weiteren Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs wird.
Daher bedurfte es eines entschlossenen Handelns im Heiligen Land, um die Palästina-Frage allmählich abzuschließen. Ein schwieriges – um nicht zu sagen unmögliches – Unterfangen, waren die Briten doch wenig zimperlich, beiden Parteien (Zionisten wie Muslimen) eine Vielzahl von Versprechungen zu geben, um sie zu beschwichtigen. Dass diese Heilsversprechen nicht selten im Widerspruch zueinanderstanden, zeugt von der Unfähigkeit des europäischen Kolonialismus, eine neue und zugleich stabile Ordnung im Nahen Osten herzustellen – ein Faktum, das bis heute Millionen von Menschenleben gekostet hat.
Nachdem es bereits in den 1920er Jahren zu Demonstrationen und Aufständen der arabischen Bevölkerung gekommen war, spitzte sich der Widerstand gegen die Kolonialpolitik und die zunehmende zionistische Besiedlung Palästinas in den 1930er Jahren weiter zu. So führte die von Sheikh Izz ad-Din al-Qassam gegründete Gruppe al-Kaf al-Aswad (die schwarze Hand) zahlreiche Angriffe auf zionistische Siedlerstrukturen und britische Kolonialeinrichtungen durch. 1933 schickte al-Qassam einen Abgesandten zum Großmufti von Jerusalem Mohammad Amin al-Husseini und bat ihn um seine Unterstützung für den Aufstand gegen die Briten. Dieser lehnte jedoch ab und plädierte für eine politische Lösung. Unterstützung erhielt Izz ad-Din al-Qassam bei diesem Jihad hingegen von Sheikh Taqi ad-Din an-Nabhani, der in der Scharia-Abteilung des palästinensischen Bildungsministeriums tätig war. Am 20. November 1935 wurde al-Qassam in dem Dorf Sheikh Zaid in Dschenin nach einem Feuergefecht mit britischen Soldaten schließlich getötet. Dies trug zum Ausbruch des Arabischen Aufstands bei, der von 20.000 Soldaten der britischen Kolonialmacht und 15.000 Kämpfern zionistischer Terrorgruppen wie der Haganah und Irgun brutal niedergeschlagen wurde. Bei den Kämpfen wurden Schätzungen zufolge bis zu 5000 Araber, 300 Juden und 262 britische Soldaten und Polizisten getötet.
Trotz der Niederschlagung des Aufstands, erzeugte dieser einen enormen Handlungsdruck auf die britische Kolonialmacht, die nun zusehends danach bestrebt war, ihre Kolonialinteressen mit Blick auf die von ihnen beherrschten arabischen Gebiete zu schützen. So galt es die von ihnen eingesetzten Herrschereliten in Transjordanien, Irak und Ägypten zu stabilisieren und der Entstehung einer antikolonialen Bewegung in der Region vorzubeugen. Denn ein ausgedehnter Aufstand der Muslime hätte die Kontrolle des Suezkanals als lebenswichtige Verbindung zwischen Großbritannien und dessen Kolonien im indischen Subkontinent gefährden, Transjordanien als wichtigen Pufferstaat destabilisieren und den Zugriff auf die strategischen Ölfelder im Irak und Iran bedrohen können. Ferner galt es, die arabischen Kolonialgebiete vor einer potenziellen Einflussnahme durch das nationalsozialistische Deutschland und dem faschistischen Italien zu schützen. All diese Faktoren führten zu einem strategischen Umdenken der Briten.
Mit einem neuen Strategiepapier, dem MacDonald-Weißbuch, im Mai 1939 erhoffte die von John Woodhead geleitete Untersuchungskommission den erwünschten Durchbruch zu erzielen. So lautete die Kernaussage des Weißbuchs: Die Regierung Seiner Majestät ist der Überzeugung, dass die Verfasser des Mandats, in das die Balfour-Erklärung aufgenommen wurde, nicht beabsichtigt haben können, Palästina gegen den Willen der arabischen Bevölkerung des Landes in einen jüdischen Staat zu verwandeln. Anders als die Balfour-Deklaration sollte das neue Weißbuch konkreter sein – auch in Zahlen. So beschloss die Kolonialmacht, die jüdische Einwanderung drastisch einzuschränken: Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollte es nur noch 75 000 Juden möglich sein, sich in Palästina anzusiedeln. Nach den fünf Jahren durfte eine weitere jüdische Immigration ausschließlich mit der Einwilligung der Araber stattfinden. Darüber hinaus wurde der jüdische Landerwerb auf spezifische Regionen und unter Ausschluss der dicht besiedelten arabischen Gebiete beschränkt. Was für die Zionisten jedoch ein größerer Affront – unlängst sprach man von Verrat – war, war die Tatsache, dass in dem Kolonialgebiet ein Staat Palästina entstehen sollte, der von Juden und Arabern gemeinsam verwaltet und regiert werden sollte. Herzls Vision und die messianische Hoffnung der Zionisten auf einen Judenstaat schienen von heute auf morgen von der britischen Agenda verschwunden zu sein. Man möge sich fragen, wie dieses Weißbuch mit dem Versprechen der Balfour-Deklaration zu vereinbaren war. Für die Briten war die Antwort klar: Da sich über Jahrzehnte fast eine halbe Million Juden in Palästina angesiedelt hatten, sei die Existenz einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk erfüllt – auch in einem Staat Palästina.
Wenngleich sich das MacDonald-Weißbuch auf den ersten Blick wie ein deutlicher Sieg für die Araber anfühlte – und nicht wenige arabische Nationalisten empfanden derart -, war es vor allem eines: ein Kompromiss und keine Lösung. Die Zionisten waren in Rage und der einst von den Briten auserkorene Großmufti al-Husseini zeigte sich ebenfalls nicht einverstanden. Das Weißbuch ging schließlich nicht weit genug; zu viel wurde den Muslimen bereits genommen, sodass ein Kompromiss dieser Art einer Niederlage gleichkam. Daher resümierte die Historikerin Gudrun Krämer den Vorschlag der Briten wie folgt: Alles in allem war das Weißbuch ein Fehlschlag: Es empörte die Zionisten, ohne die Araber zufriedenzustellen. Beide wiesen es zurück.
Dabei waren es insbesondere die Zionisten, welche die Briten nun verbal und physisch attackierten. So erklärte Chaim Weizmann, der belarussische Zionist und erster Staatspräsident Israels, dass die Briten kein Recht hätten, den Juden zu verbieten, sich ohne die Erlaubnis der Araber weiter und unbegrenzt in Palästina anzusiedeln. Schließlich, so Weizmann, waren die Briten ja auch nicht mit arabischer Zustimmung in Palästina. Das Ende der vermeintlich harmonischen und zuverlässigen Zusammenarbeit zwischen den britischen Kolonialherren und den Zionisten war besiegelt. Zu groß waren die Differenzen beider Parteien und zu überfordert waren die Briten mit der komplexen Situation in Palästina. Doch im Angesicht eines gemeinsamen Feindes – dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien – war der Zeitpunkt für den vollständigen Bruch noch nicht gekommen. Denn der Konflikt mit den Achsenmächten drohte auf den Nahen Osten überzugreifen und so kam es im Jahr 1940 dazu, dass die italienische Luftwaffe palästinensische Städte bombardierte, darunter auch die Hafenstadt Haifa, welche die Briten zu einem strategisch wichtigen Militärstützpunkt machten.
Ungewiss war zudem, wie sich die Araber – nicht nur in Palästina – während des Weltkrieges positionieren würden: Hielten sie der britischen Kolonialmacht die Treue, oder würden sie die Gelegenheit nutzen, um sich ihrer zu entledigen? Weder für Großbritannien noch für die Achsenmächte war klar, auf welche Seite sich die arabischen Führer schlagen würden, waren sich doch selbst die arabischen Nationalisten nicht einig, wie man sich nun positionieren sollte. Trotz dieser Unklarheit kam es zu gefährlichen Entwicklungen: So putschte im April 1941 der irakische Nationalist Rashid Ali al-Kailani den pro-britischen Premierminister Nuri al-Said aus dem Amt und suchte Unterstützung bei Deutschland und Italien, um die britische Vorherrschaft zu brechen. Mithilfe des transjordanischen Königs Abdullah ibn Hussain gelang es Großbritannien jedoch den Aufstand niederzuschlagen und die Vasallenregierung von König Faisal II. – dem Großneffen von Abdullah ibn Hussain – unter Führung von Nuri al-Said wiederherzustellen. Darüber hinaus kam es im November 1941 in Berlin zu dem Treffen zwischen Großmufti Amin al-Husseini und Adolf Hitler, was jedoch ohne strategische Folgen mit Blick auf das (fehlende) nationalsozialistische Engagement in Palästina blieb.
Die Gefahr eines Sieges der Achsenmächte und die Ungewissheit, ob die arabischen Staaten die Gunst der Stunde nutzen würden, bildete für die Zionisten zu jenem Zeitpunkt eine weitaus größere Bedrohung als die Gefahr, dass die Briten ihr Versprechen aus der Balfour-Deklaration nicht einhalten würden. Vor diesem Hintergrund schlossen sich Juden zwar den britischen Streitkräften im Nahen Osten an, doch von einer Einheit konnte kaum die Rede sein. Der Russe David Ben-Gurion, der einige Jahre später als erster Ministerpräsident den israelischen Staat ausrufen sollte, brachte die Zusammenarbeit mit Großbritannien folgendermaßen zum Ausdruck: Wir werden gemeinsam mit England gegen Hitler kämpfen, als ob es kein Weißbuch gäbe, und wir werden gegen das Weißbuch kämpfen, als ob es keinen Hitler gäbe.
Dieses ambivalente Verhältnis äußerte sich insbesondere in den Aktionen der zionistischen Terrororganisationen Irgun und Haganah (dt. Verteidigung) – die nach der Staatsgründung nahtlos in das israelische Militär integriert werden sollten – und ihren Anschlägen auf britische Zivil- und Militäreinrichtungen. Das Feindbild der jüdischen Invasoren verschob sich nun zunehmend: Araber spielten in dieser Phase als Feind und Opfer allenfalls eine Nebenrolle. Nicht sie standen der sofortigen Schaffung eines jüdischen Staats im Wege, sondern die Briten, so Krämer. Der Historiker und Journalist Ralf Balke fasste die Haltung der Zionisten wie folgt zusammen: Das vor Kriegsausbruch von London beschlossene Weißbuch hatte die Basis einer britisch-zionistischen Zusammenarbeit nachhaltig zerstört […]. David Ben Gurion und Chaim Weizmann beschlossen, eine Politik auf den Weg zu bringen, die das Weißbuch ignorieren sollte […]. Damit kristallisierte sich im Jischuv eine völlig neue Position heraus, nämlich, dass das britische Mandat fortan nicht mehr wünschenswert war. Aus dieser Haltung heraus setzten die Zionisten die Einwanderung in Palästina fort, ungeachtet der Tatsache, dass diese nun für illegal erklärt wurde. Die Briten antworteten mit verstärkten Kontrollen, der Abweisung von andockenden Flüchtlingsschiffen und mit Verhaftungen. Die politischen Spannungen nahmen stetig zu und so sank im Jahre 1941 das Dampfschiff Struma samt seiner 769 jüdischen Flüchtlinge, weil die Kolonialmacht eine Landung in Palästina verhinderte. Auf dieses Verhalten reagierten die Zionisten wiederum mit Gewalt und Terror. Ein Jahr zuvor veranlassten die Briten, 3600 jüdische Flüchtlinge wieder abzuschieben und luden sie auf das Schiff Patria. Die terroristische Untergrundorganisation Haganah platzierte eine Bombe an dem Schiff, um die Abschiebung zu verhindern. Die Folge war das Kentern des Schiffes und der Tod von 200 Flüchtlingen – einen Preis, den die gewaltbereiten Zionisten zu zahlen bereit waren.
Den Höhepunkt der zionistisch-britischen Auseinandersetzung bildeten die Jahre 1946 und 1947. So führte die Irgun unter Führung Menachem Begins im Juli 1946 den Terroranschlag auf das Hauptquartier der britischen Mandatsverwaltung im King-David-Hotel durch und im Juli 1947 kam es zur sogenannten Exodus-Affäre. Als sich das von der Haganah betriebene Schiff Exodus samt 4500 KZ-Überlebenden von Marseille in Richtung Palästina bewegte, beobachteten die Briten das Schiff über mehrere Tage und enterten dieses in einer spektakulären Aktion, bei der einige Passagiere starben. Der internationale Image-Schaden für Großbritannien war nicht nur auf die Tatsache zurückzuführen, dass es sich bei den Insassen um KZ-Überlebende handelte, sondern auch darauf, dass die Briten das Schiff ausgerechnet wieder zurück nach Deutschland schickten. Während die Aufregung der internationalen Gemeinschaft groß war, war jedoch kein einziger Staat bereit, die Displaced Persons – jene zumeist jüdischen KZ-Überlebenden – aufzunehmen; allen voran die USA, Kanada und Australien, die weiterhin an ihren restriktiven Einwanderungspolitiken festhielten. Doch war die Causa Exodus von enormer emotionaler Tragweite, sodass der internationale Druck auf Großbritannien immer weiter zunahm.
Die Zionisten haben indes im Vorfeld dafür gesorgt, die Unterstützung einer neuen Kolonialmacht und so neue Verbündete für ihre Pläne zu gewinnen. Weitsichtig erkannten auch sie, dass Großbritannien in Zukunft nicht mehr die Zügel in der Hand halten und die politische Neuordnung des Nahen Ostens woanders bestimmt würde: Angesichts der Konflikte mit den Briten richteten die Führer des Jischuv zugleich den Blick auf andere potentielle Helfer und fanden sie in den USA, so Krämer. Daher bereiteten sich die zionistischen Entscheidungsträger früh darauf vor, ihren Einfluss in der US-amerikanischen Nahostpolitik geltend zu machen. Dies gelang durch die Ausweitung zionistischer Verbände in den USA; eine intensive und sehr erfolgreiche Werbe- und Spendenkampagne, die noch mehr Echo fand, als gegen Ende 1942 die ersten Nachrichten von der Judenvernichtung im okkupierten Europa nach außen drangen; die systematische Lobbyarbeit unter amerikanischen Politikern bis hin zum Präsidenten; die Gründung prozionistischer christlicher Organisationen, die sich in der Tradition der Philosemiten des 19. Jahrhunderts für die Rückführung des Volkes Israel in das Land seiner Väter einsetzten.
Die britische Regierung hingegen wurde sich zunehmend über die schwierige Lage und der Herausforderung, ihre Kolonialinteressen durch stringente politische Maßnahmen zu bewahren, bewusst. So äußerte sich das britische Außenministerium zu der entgleisten Situation im Nahen Osten: Möglicherweise stehen wir bald vor der Wahl, die jüdische Weltmeinung gegen uns aufzubringen oder Schwierigkeiten mit den Arabern zu bekommen. Zudem sollte sich die Kolonialmacht ausgiebig mit der Frage beschäftigen, inwiefern das Fortführen des Mandats in Palästina für sie noch zukunftsträchtig ist. Hierzu führt Balke aus: Kurzum, Großbritannien war nicht mehr Herr der Lage in Palästina. Die Kosten der Stationierung von immer mehr Truppen vor Ort stiegen in astronomische Höhen. Hinzu kam, dass das Land infolge der Unabhängigkeit Indiens nicht mehr die gleiche strategische Bedeutung hatte wie zuvor. Am 30. März 1947 verkündete der britische Außenminister Ernest Bevin schlussendlich: Wir sind an einem Punkt angelangt, wo die Mandatsherrschaft nicht weiter andauern kann.
Damit wurde der Weg geebnet, die Palästina-Frage der internationalen Gemeinschaft vorzulegen. Die Briten verkündeten, sich aus eventuellen Teilungsplänen herauszuhalten und die UN-Versammlung bestimmen zu lassen, wie mit dem Heiligen Land verfahren werden solle. Federführend sollte es nun die US-Regierung sein, die als neuer Hegemon die kolonialen Geschicke im Nahen Osten leiten würde. In dem Buch Politische Konzeptionen von Hizb ut-Tahrir heißt es hierzu: Mit dem Auftreten der Judenfrage in Palästina entschieden sich die USA für die dortige Errichtung eines jüdischen Staates, um ihn als Instrument zur Kolonialisierung der Region einzusetzen. Großbritannien hatte bezüglich der Errichtung eines jüdischen Staates noch keine Entscheidung getroffen. Es schwankte darin, ob aus Palästina ein Staatsgebilde unter jüdischer Kontrolle oder explizit ein jüdischer Staat werden sollte. Es hatte vor, das Ganze in Einklang mit seiner Kolonialisierung der übrigen arabischen Staaten zu bringen. Deswegen traf es diesbezüglich keine definitive Entscheidung, sondern reichte die Angelegenheit an die UNO weiter. Nachdem die UNO durch Einwirkung der USA die Errichtung eines jüdischen Staates beschloss, nahm Großbritannien dies stillschweigend hin und ließ die Zeit darüber entscheiden, ob die Region die Existenz eines jüdischen Staates inmitten der Muslime verdauen kann oder der islamische Körper ihn abstoßen wird. Und so beruhte die britische Politik gegenüber dem jüdischen Staat auf das Abwarten wie sich die Angelegenheit mit der Zeit entwickelt.
Dies führte zu jenem verhängnisvollen Tag des 27. November 1947, bei dem 33 der 56 UN-Staaten für die Teilung Palästinas in einen arabisch-muslimischen und einen jüdischen Teil stimmten und somit den Zionisten die Errichtung eines Judenstaates ermöglichten. Während sich Großbritannien bei der Abstimmung zur Resolution 181 enthielt, unterstützte die US-Regierung unter Präsident Truman den Teilungsplan explizit und erkannte den zionistischen Staat nur 11 Minuten nach dessen Ausrufung am 14. Mai 1948 an. Ungeachtet dessen konnte nicht die Rede davon sein, dass die Entscheidung, einen Judenstaat entstehen zu lassen, einstimmig getroffen wurde. Hochrangige US-Diplomaten und CIA-Beamte äußerten ihre Bedenken. Und einige von ihnen sollten mit ihrer Einschätzung – wie sich dieser Tage erneut zeigt – recht behalten. So sagte General George Marshall: Würden wir die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina unterstützen, so würden wir damit in Wirklichkeit die extremen Ziele des politischen Zionismus zum Nachteil der globalen Sicherheitsinteressen der USA unterstützen. Ähnlich kritisch äußerte sich der Botschafter und damalige Abteilungsdirektor für den Nahen Osten im US-Außenministerium Loy Henderson, der vorhersah, dass eine Teilung Palästinas zukünftig zu unvorhersehbaren Problemen führen werde und dass die USA Prestigeeinbußen in der arabischen Welt erleiden würden.
Während Clark Clifford, Rechtsberater des US-Präsidenten Truman, das Weiße Haus mit dem Argument überzeugen wollte, dass der zionistische Staat ohnehin bereits Realität sei und dass man – den anbahnenden Kalten Krieg vor Augen – den Staat Israel nun anerkennen müsse, noch bevor es die Sowjetunion täte, sah man insbesondere in den Terroraktionen der Haganah noch ein Risiko, dass den eigenen Interessen zuwiderlaufen könnte. So sahen die Zionisten durch den herannahenden Abzug der britischen Truppen einen Freibrief, die arabisch-muslimische Bevölkerung in Palästina nun vollends zu vertreiben, was wiederum ein enormes Sicherheitsrisiko im Nahen Osten darstellte. Robert McClintock, damals Mitglied der US-Delegation bei den Vereinten Nationen, gab zu verstehen, dass der Sicherheitsrat sich wohl bald mit der Frage befassen müsse, ob die jüdischen bewaffneten Aktionen gegen arabische Gemeinschaften in Palästina legitim sind oder ob sie die internationale Friedens- und Sicherheitsordnung so sehr gefährden, dass der Sicherheitsrat Zwangsmaßnahmen ergreifen muss.
Trotz der darauffolgenden Nakba offenbaren die hier formulierten Bedenken das eigentliche Kalkül der USA, welches im Kern in der Festigung seiner hegemonialen Position im Nahen Osten bestand. So bot der zionistische Staat die Möglichkeit, einen strategischen Ankerpunkt für die USA zu bilden, um die eigene Vormachtstellung im Nahen Osten strategisch abzusichern und ein Eindringen der Sowjet-Union zu verhindern. Dass man hierfür auch bereit war, den Einfluss der ehemaligen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich zurückzudrängen, zeigte spätestens die US-Unterstützung für Husni az-Za’im, der im Jahre 1949 gegen den pro-britischen Ministerpräsidenten Shukri al-Quwatli putschte. Bei der Planung und Durchführung des Staatsstreichs spielte die nur zwei Jahre zuvor gegründete Central Intelligence Agency (CIA) eine zentrale Rolle. Insbesondere der US-amerikanische Militärattaché Stephen J. Meade und CIA-Stationschef in Damaskus Miles Copeland Jr. waren wesentliche Akteure, die mit ihrer verdeckten Aktion eine Ära der Militärputsche im Nahen Osten einleiteten.
Über die Jahre setzten sich die USA letztlich als neuer und einziger Hegemon in Palästina und der Region durch, während der britische Einfluss immer mehr in den Hintergrund rückte. Und es ist dieser Hegemon, der die genozidale Politik des kolonialen Konstrukts bis zum heutigen Tag ermöglicht. Der tollwütige Hund Israel scheint hierbei keine Grenzen zu kennen, sollte sich aber stets darüber im Klaren sein, dass seine Existenz und sein Fortbestehen nicht in den eigenen Händen liegen. Der Tag, an dem die Unterstützung seiner Kolonialherren in Washington schwindet, wird den Beginn seines Untergangs und die Überwindung der kolonialen Ordnung im Nahen Osten markieren. Denn aus eigener Kraft sind die Zionisten nicht einmal in der Lage, das von der Welt abgeschnittene Gaza zu besiegen.